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Protokoll vom 25.10.97

ALCATRAZ Gespräch mit Jacopo Fo

Das Ziel des Projektes ist, eine „grüne Stadt" zu konstruieren. Die hier lebenden Menschen sind auf der Suche nach einer alternativen Lebensform. Dies geschieht in dem Bewußtsein, daß sie in einer kapitalistischen Wirklichkeit leben, die es gilt als Voraussetzung zu respektieren und zu nutzen.

Vor 18 Jahren wurden hier um Alcatraz, einem äußerst strukturschwachen Gebiet, mehrere 100 Hektar des Tales und viele verlassene Häuser zu einem sehr günstigen Preis aufgekauft. Z.Zt. leben 60 Personen hier im Tal um Alcatraz. 5 Gebäudekomplexe sind in der Zwischenzeit fertiggestellt worden.

Es existieren folgende Arbeitsbereiche:

- Comic - Entwurf und Workshops

- Theater, Musik

- Kunst, Graphik und Design

- Tagungsstätte - Seminarangebote: Therapie, Massage,

- Restaurantbetrieb

- Verkauf von Büchern, Waren aus eigener Herstellung, umweltverträglichen Produkten,

- Marmeladenproduktion (aus regionalem biol. Anbau)

- Pferde, Reiten

- Urlaub und Freizeitangebote für Kinder

- Landschule (20 Plätze für Kinder, die über einen bestimmten Zeitraum mit dem Landleben vertraut gemacht werden)

- Hotelbetrieb

Es existiert keine vorgefertigte Idee oder Philosophie wie das Projekt aussehen soll, sondern es entwickelt sich mit den beteiligten Menschen und ihren Ideen. Gewaltfreiheit und Umweltverträglichkeit sind lediglich als Grundwerte festgeschrieben. Ein gegenseitiges ‘Befruchten’ der sich ansiedelnden unterschiedlichen Projekte und Unternehmen erhöht die Attraktivität um ein Vielfaches. Dieser einst sehr unattraktive Ort hat sich damit zu einer Vorzeigeanlage entwickelt. Alcatraz ist eng in die Umgebung eingebunden. Dies entsteht durch Präsentationen der verschiedenen Gruppen in den umliegenden Orten und die Schaffung von einigen Arbeitsplätzen.

Mit der Beseitigung des Notstandes durch die kulturelle und wirtschaftliche Wiederbelebung dieser Region und eine erneute Besiedelung ist der Wert des Landes mittlerweile um das 10-1 00fache gestiegen. Das darin enthaltene spekulative Moment soll als Anreiz zu Investitionen und Geldanlagen dienen. Dieses Modell wird nicht nur hier, sondern auch in anderen Teilen Italiens und der Welt praktiziert. Der soziale Zweck, die Elendsbeseitigung, wird unter Nutzung kapitalistischer Prinzipien erreicht. Ein Anreiz für Anlegerinnen besteht darin, daß nach 3 Jahren eine Rücknahme mit einem Wertzuwachs garantiert wird. Dieser liegt 1% Punkt über staatlichen Anleihen. Der eigentliche Wertzuwachs kann dabei jedoch 40% erreichen. Folglich viel mehr, als ausgezahlt wird. Für Geldanlegerinnen besteht keine Möglichkeit, Einfluß auf die Inhalte zu nehmen. Z.Zt. ist Jacopo Fo der alleinige Besitzer des Landes. Durch das von ihm zur Verfügung gestellte Startkapital konnten die ersten Projekte stattfinden. Zudem übt die Bekanntheit seines Namens eine große Anziehungskraft aus.

Um die Eigentumsverhältnisse zu verändern, soll sein Besitz durch Verkauf von kleineren Anteilen aufgeteilt werden. Ebenso werden Geldgeberinnen gesucht, die Grundstücke und Häuser erwerben und renovieren, um sie an BetreiberInnen weiterzugeben. Die Geldgeberinnen bleiben Eigentümerinnen und profitieren von der Wertsteigerung des gesamten Gebietes.

Neben zwei Vereinen hat sich eine Gesellschaft gegründet, die in Deutschland mit einer GmbH vergleichbar ist. Die Form der Kooperative wurde aus verschiedenen Gründen nicht gewählt. Einerseits, so Jacopo Fo, hätte der große Investitionsbedarf nicht aufgebracht werden können, andererseits entsteht eine große Zähigkeit durch einen hohen Diskussionsbedarf bei Entscheidungsfindungen. Zudem versteht sich Alcatraz nicht als ein Projekt. Alle Gruppen sollen sich ihre eigene Organisationsform und Entscheidungsstruktur selbst wählen können. Notwendige Absprachen werden von den jeweils Betroffenen informell getroffen. Interne Entscheidungen werden von den jeweiligen Bereichen bzw. der BetreiberInnengesellschaft getroffen. Alle Arbeitsbereiche bzw. Personen sind selbständig, d.h. es existiert keine gemeinsame Ökonomie.

Einige Projekte, wie z.B. die Aufforstung des Waldes oder die ‘Landschule’, werden mit staatl. Mitteln bezuschußt. Darüber hinaus wird versucht, EG-Gelder in Anspruch zu nehmen.

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