RITTER SPORT unterstützt Kleinbauern in Nicaragua: CACAONICA - Ein agroforstliches Entwicklungsprojekt
Nicaragua
In der Republica de Nicaragua, so der offizielle Staatsname, leben etwa 4 Millionen Menschen auf 130000 km2. Dies sind 32,5 Einwohner pro km2. Damit ist Nicaragua zwar das größte, aber auch das am schwächsten besiedelte Land Zentralamerikas (Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama). Etwa zwei Drittel der Bevölkerung leben in der wirtschaftlich etwas besser entwickelten Pazifikzone. Etwa 30% des Landes sind noch mit Regenwald bedeckt Die wirtschaftliche Situation Nicaraguas ist nach wie vor äußerst kritisch. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 60%. Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe existieren nicht. Die jährliche Pro-Kopf-Ausgabe des Staates für das Gesundheitswesen beträgt 14 US $. Die Auslandsverschuldung belief sich bereits 1989 auf 9,7 Mrd. US $ und ist damit höher als in jedem anderen Land in Zentralamerika. Dies ist im wesentlichen eine Folge der 42 jährigen Diktatur der Familie Somoza, des an die Revolution anschließenden Bürgerkriegs und der jahrelangen außenpolitischen Isolierung. Im Jahre 1990 fanden die ersten freien Wahlen in der Geschichte Nicaraguas statt. Aus den Wahlen ging, mit Unterstützung mehrerer Parteien, Violeta Barrios de Chamorro als Siegerin hervor. Sie hat auch heute noch das Präsidentenamt inne. Nicaragua ist also eine ganz junge Demokratie. Die politische Lage ist weiterhin instabil, radikale Kräfte beider Lager (Sandinisten und Contras) gefährden nach wie vor das politische System. Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist immer noch nicht in Sicht
Kleinbauern brauchen Hilfe
Insbesondere die Lage der Kleinbauern (Campesinos) hat sich durch den Bürgerkrieg (1982-1988), Naturkatastrophen und durch sinkende Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse weiter verschlechtert. Der Staat seinerseits will aus den Holzreserven des tropischen Waldes Einnahmen erzielen. Das größere Problem in Nicaragua ist jedoch die rasche Ausdehnung der Viehzucht und der extensive Ackerbau für eine ständig wachsende Landbevölkerung. Der Teufelskreis von Verarmung, Bevölkerungszunahme und Abholzung der tropischen Regenwälder muß jetzt gestoppt werden, soll es nicht endgültig zu spät sein! Neben einer sinnvollen Begrenzung oder sogar einem absoluten Verbot der Abholzung, wo ansonsten die unwiederbringliche Vernichtung der tropischen Wälder mit ihrem unglaublichen Artenreichtum droht, ist eine wirksame Förderung der Kleinbauern und der dörflichen Infrastruktur dringend notwendig.
Der Wald verschwindet
Zu Beginn des Jahrhunderts war Nicaragua zu etwa 60% bewaldet Ab den 50er Jahren hat die Abholzung galoppierende Ausmaße angenommen. Eine jährliche Abholzung von 100 000 ha mit stark steigender Tendenz hat dazu geführt, daß im Jahre 1990 nur noch die Hälfte des Waldbestandes vorhanden war. Die jährliche Wiederaufforstung beträgt nur ca. 5 000 ha.
Hauptgrund für den Rückgang des tropischen Regenwaldes ist die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Anbaufläche. Es sind fast ausschließlich die armen Kleinbauern, die gezwungen sind, dem Regenwald neues Ackerland abzugewinnen. Denn das rasche Nachlassen der Fruchtbarkeit der Böden und das beständige Nachrücken der Viehzüchter lassen allzu oft dem Bauern keine andere Wahl. Hinzu kommt die wachsende Bevölkerung und ein sehr beachtlicher Brennholzbedarf, denn 60 % der gesamten Bevölkerung sind allein auf diese Energiequelle angewiesen. In der Mehrzahl werden offene Herdfeuer benutzt, die nur 8 % des Energiepotentials des Holzes nutzen.
Die Vernichtung großer Waldgebiete hat das ökologische Gleichgewicht bereits gravierend verändert- die in den letzten Jahren aufgetretenen verheerenden Über- schwemmungen und die zunehmende Bodenerosion in der östlichen Landeshälfte, dem Regenwaldgebiet Nicaraguos, beweisen dies.
Die Alternative - Agroforstliche LANDWIRTSCHAFT
Wie kann man die extensive Landbewirtschaftung und Wanderbewegung eindämmen und der Wiederaufforstung eine reale Chance geben? Zur Problemlösung werden Hoffnungen mit einem Konzept verbunden, das unter dem Namen Agroforstwirtschaft land- und forstwirtschaftliche Anbaumethoden kombiniert. Durch den Einsatz verschiedener standortgerechter Nutzpflanzen, wie z. B. Bananen, Kakao, Mais, Bohnen etc. gleichsam als Untersaat" in Baumplantagen, wird eine mehrstufige Bodenbedeckung gewährleistet, die zu einer erheblichen Minderung der Erosionsgefahr beitragen kann und gleichzeitig den Boden besser vor Austrocknung und Nährstoffverlust schützt
Was sind die Vorteile für den Bauern?
- höherer Ertrag auf derselben Fläche
- steigendes Einkommen - Erhalt der Ertragsfähigkeit der Böden
- bessere Ernährungsmöglichkeiten - Risikoverminderung und höhere ökonomische Stabilität
- Anreiz zur Seßhaftigkeit
Die Umsetzung - Das Projekt CACAONICA
Aus dem agroforstlichen Ansatz ist das Projekt CACAONICA entstanden. Es bietet dem traditionellen Bauern Unterstützung an, um zunächst einen Teil seines Landes agroforstlich zu bewirtschaften. Zielsetzung des Projekts CACAONICA ist deshalb die modellhafte, realistische Demonstration einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Nutzung, die den Waldbestand schützt, zur Wiederaufforstung anreizt und die Fruchtbarkeit der Böden auf weitgehend natürliche Weise sichert. So wird gleichzeitig der Ertrag für den Bauern verbessert, seine wirtschaftliche Situation gestärkt und der Landflucht entgegengewirkt. Für die agroforstliche Bewirtschaftung ist unter den Bedingungen der Tropen der Kakao eine besonders geeignete Pflanze, wenn sie von Kleinbauern angebaut wird. Denn die Kakaopflanze kann bevorzugt in Mischkulturen zusammen mit Bananen, verschiedenen Gemüsen, Mais oder auch Pfeffer angebaut werden. Hohe Schattenbäume sind günstig für den Kakao. Die permanente Beschattung reduziert auch das Unkrautwachstum, regt die Bildung organischer Nährstoffe an und macht den Einsatz von Kunstdünger entbehrlich. So kann der schonende Umgang mit vorhandenem Wald bzw. die Wiederaufforstung sinnvoll und produktiv mit dem Kakaoanbau verbunden werden.
RITTER SPORT fördert Kakaoanbau und Wiederaufforstung
CACAONICA ist ein privates Entwicklungsprojekt, das seit Beginn des Jahres 1990 von RITTER SPORT mit einem Budget von jährlich etwa 400 000 DM unterstützt wird. Getragen wird das Projekt von der Entwicklungshilfeorganisation Pro Mundo Humano e.V. in Bonn. Projektstandorte sind in Waslola und in Rama. Das Projektbüro befindet sich in Manugua. Vor Ort arbeiten der Projektleiter Hans W. Grebe aus Deutschland mit einem Team von 12 Agrarexperten und Agrarexpertinnen aus Nicaragua sowie einer Agraringenieurin aus Deutschland. Die Firmeninhaber Alfred Ritter und Marli Hoppe-Ritter begründen dieses Engagement so: Kakao ist für unsere Produkte ein Hauptbestandteil, den wir aus Ländern der Dritten Welt beziehen. Wir haben daher diesen Ländern gegenüber auch eine besondere Verantwortung. Klar ist, daß der Schutz der tropischen Wälder der Mitwirkung durch die Industrieländer bedarf. Hierzu wollen wir unseren Beitrag leisten."
Hilfe zur Selbsthilfe im Regenwaldprojekt
Im Jahre 1990 begann die Zusammenarbeit mit 170 Bauern, mittlerweile werden schon 400 Bauern durch das Projekt betreut Einige der Campesinos, die von Anfang an am Projekt teilnehmen und besonders engagiert sind, unterstützen inzwischen das Projektteam als sog. promotores". Das Projekt erfährt in Nicaragua eine breite Unterstützung. Sowohl die Regierungsstellen, wie die christlichen Kirchen Nicaraguas und die ehemals feindlichen Bürgerkriegsparteien sind in das Projekt integriert. Diese breite Basis stellt sicher, daß das Projekt nicht zur Eintagsfliege wird, sondern echte Hilfe zur Selbsthilfe darstellt
Jeder der 400 Bauern hat für die Anlage einer Demonstrationsparzelle (1 ha) zunächst folgendes Material erhalten:
- 200 Bananenstauden (als Schatten für die Kakaojungpflanzen)
- 60 Langzeitschattenbäume
- 650 Kakaopflänzchen
- 50 Fruchtbäume
- 50 Nutzholzbäume
- 50 Brennholzbäume
Ferner erhalten die Bauern die zur Bearbeitung notwendigen Werkzeuge sowie Pflanzen und Samen für einen Zeitraum von 2 Jahren. Gleichbedeutend mit dieser materiellen Unterstützung ist die ständige Beratung durch das kompetente Team, das sich inzwischen auf 24 promotoresa, allesamt besonders erfahrene Bauern, stützen kann. Sehr erfreulich und ermutigend ist, daß ab 1994 dieser Kreis der promotores" erweitert werden und die Beratung an der Basis von diesen engagierten und erfahrenen Campesinos durchgetührt werden kann. Durch intensive Kursarbeit wird das Projektteam die Arbeit dieser Ausbilder neuen TYps" ergänzen und unterstützen.
Die Resonanz bei den Bauern in den Projektgebieten ist zwischenzeitlich sehr groß, so daß leider nicht mehr alle in den unmittelbaren Kreis der durch das Projekt Geförderten aufgenommen werden können. Auch die Aufforstungsmaßnahmen stoßen bei den Bauern auf ein überraschend großes Interesse. Zwischenzeitlich ist jeder Bauer, der seit Beginn am Projekt teilnimmt, Besitzer einer eigenen Baumschule mit 600 Bäumen verschiedener Art.
CACAONICA morgen
Sobald die Kakaobäume Früchte tragen (ab dem Jahr 1994), werden die Bauern auch in der richtigen Behandlung der Kakaobohnen geschult werden. Fermentation, Trocknung und Lagerung der Kakaobohnen müssen fachgerecht gehandhabt werden, um eine gute Qualität und ein feines Aroma zu bekommen. Auch bei der Vermarktung der Kakaobohnen werden die Campesinos Unterstützung erhalten. Als Markt kommt hierbei Nicaragua selbst in Betracht Das traditionelle Kakaogetränk Pinolillo" ist im Lande nach wie vor sehr beliebt Vermarktungsmöglichkeiten gibt es aber auch in Mittelamerika, wo in jüngster Zeit die Nachfrage das Angebot übersteigt Bei guter Kakaoqualität und ausreichenden Mengen für einen sinnvollen Transport wäre auch für RITTER SPORT der Kakaoeinkauf in Nicaragua, z. B. für eine spezielle Sorte, in Betracht zu ziehen.
Nur eine lohnende Vermarktung des Kakaos und anderer Produkte aus dem Anbau im Agroforstsystem kann den
dauerhaften Erfolg des Projekts sicherstellen, denn nur dann wird der einzelne Campesino bereit und in der Lage sein, nach dieser Methode auf Dauer zu wirtschaften.
Das Engagement von RITTER SPORT wird so lange bestehen bleiben, bis dieser entscheidende Schritt erfolgt ist
(Quelle: Broschüre Ritter Sport)
Kontakt:
Alfred Ritter GmbH & Co. KG , Postfach 1240, 71108 Waldenbuch, Tel.: 07157 / 97 - 314, Fax: 07157 / 97 - 394