Hinweis: Nachfolgend dokumentieren wir einen Beitrag zur Jugendwerkstatt Felsberg e.V., wo wir 1997 ein Teil des Sommerseminar im Vogtschen Hof" verbrachten.
GESCHICHTE DER JUGENDWERKSTATT
DIE WURZELN: PROVINZARBEIT IM JUGENDVERBAND
Seit Ende der 70er Jahre entwickelte
der Jugendverband Bund Deutscher Pfadfinder (BDP) im Raum
Nordhessen eine Jugendarbeit, die sich speziell an Jugendliche
auf dem Land richtete. Mit diesen gemeinsam wurde versucht, über
positive Veränderungen auf dem Land nachzudenken und dort, wo es
möglich war; Einfluß zu nehmen. Zunächst waren die
Spurensicherungen", in denen Jugendliche sich mit der
Geschichte ihres Heimatortes und der dörflichen Entwicklung
befassen, Schwerpunkt der Arbeit
Als sich jedoch in den 80er Jahren die Jugendarbeitslosigkeit
stark verschärfte und Jugendlichen oft nur noch die Möglichkeit
des Abwanderns aus dem strukturschwachen Nordhessen blieb, um
Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten zu finden, bestimmte diese
Situation mehr und mehr die Aktivitäten des Jugendverbandes.
Das BDP-Konzept von Jugendarbeit und Perspektivenentwicklung auf
dem Land legte es nahe, dem Problem offensiv zu begegnen und
Jugendliche beim Aufbau selbstorganisierter Arbeitsmöglichkeiten
zu unterstützen bzw. durch Berufsausbildung eine Grundlage
dafür zu schaffen
Als 1983 das erste hessische Sonderprogramm zur Schaffung
zusätzlicher Ausbildungsplätze aufgelegt wurde, bot sich eine
Finanzierungsmöglichkeit für diese Vorhaben, die unmittelbar
genutzt wurde. Im Felsberger Ortsteil Gensungen wurde eine
Ausbildung für 12 Mädchen im Maler- und Lackiererhandwerk
aufgebaut. Diesem Felsberger Frauenprojekt" wurde
bundesweit Aufmerksamkeit zuteil.
Im Zuge der Ausbildung wurde ein altes Bauernhaus, das zeitweilig
für den Abriß bestimmt war, renoviert und zur
Jugendbildungsstätte umgebaut. Schwerpunkt der Ausbildung war
die fachgerechte und baubiologische Renovierung von
Fachwerkbauten, da sich hiermit auch die Hoffnung auf einen
Qualifikationsvorsprung für die Mädchen verband. Die Ausbildung
endete 1986 mit einer sehr erfolgreichen Gesellenprüfung. Das
Gebäude, der Vogtsche Hof", ist seitdem
BDP-Bildungsstätte.
VEREINSZIELE UND ERSTES AUSBILDUNGSPROJEKT: ÖKOLOGIE UND SELBSTHILFE
Im BDP und seinem Umfeld wurde dieses
Ausbildungsprojekt als notwendiger erster Anstoß gesehen.
Parallel liefen aber zugleich Bestrebungen, den Bereich der
beruflichen Bildung aus dem Jugendverband auszugliedern und in
eigenständiger Form weiterzuführen. So wurde 1984 die
Jugendwerkstatt Felsberg e.V." gegründet.
Leitziele der Vereinsgründung waren die Selbsthilfe, die
Ökologie und die eigenständige Regionalentwicklung. Jugendliche
aus Felsberg und Umgebung sollten. in der Jugendwerkstatt eine
hochqualifizierte Ausbildung bekommen und sie mit speziellen
ökologischen Kenntnissen und erweiterten beruflichen
Perspektiven verbinden können.
Es wurde ein Ausbildungsgang für EnergieanlagenelektronikerInnen
entwickelt, in den berufsspezifische oder berufsnahe ökologische
Projekte und theoretische und praktische Zusatzqualifikationen in
umweltschonender Energienutzung integriert wurden. Die
zweistufige Ausbildung wurde gewählt, um auch schwächeren
SchülerInnen eine Chance zu hochqualifizierter Ausbildung zu
bieten, denn die erste Ausbildungsstufe entsprach der Ausbildung
des Elektrikers im t landwerk und bot damit die notwendige
Sicherheit wie zugleich auch Erprobungs- und
Vorbereitungsmöglichkeiten für die anspruchsvolle zweite
Ausbildungsstufe zur Elektronikerin.
Das Leitziel Ökologie bedeutete für die Ausbildung konkret:
Vermittlung von politischem, ökonomischem, technischem
Hintergrundwissen; Einführung in ökologische Zusammenhänge und
in das Denken in ökologischen Zusammenhängen, Vermittlung von
theoretischen und praktischen Kenntnissen über dezentrale
Energietechniken (zur Sonnen- und Windenergienutzung,
Blockheizkraftwerke).
Diese zusätzliche ökologische Qualifikation wurde als auf dem
Arbeitsmarkt verwertbar Qualifikationsvorsprung wie auch als
Basis eines späteren Jugendbetriebes gesehen. Ziel des Vereins
war ja nicht nur die zeitlich und substanziell begrenzte
Ausbildung, sondern war auch, neue, selbstorganisierte und
ökologisch orientierte Arbeitsplätze für Jugendliche zu
schaffen. Ausgangspunkt war die These, daß sich
umweltangepaßtes Bewußtsein und Handeln nur erreichen ließe,
wenn- in einer Region einerseits eine entsprechende Informations-
und Beratungsarbeit stattfände, andererseits aber auch das
korrespondierende technische Know-How bzw. das spezialisierte
betriebliche Angebot aufgebaut würde, um neu geschaffene
Nachfrage kompetent und lokal überprüfbar befriedigen zu
können. Kurz: Die Zielperspektive hieß neue Arbeitsplätze
durch neue Nachfrage nach Ökotechnik.
Diese Zielsetzung verband sich ideal mit dem Leitzielkomplex
Selbstbestimmung, Selbstorganisation, Selbsthilfe. Der Mensch ist
nicht reduzierbar auf Arbeit und Qualifizierung, auch nicht in
der Berufsausbildung. Den ganzen Menschen in dem Auszubildenden
wahrzunehmen, mehr noch, im Rahmen der Ausbildung ihm Raum zur
Entwicklung zu geben, dieses emanzipatorische Ziel schuldeten die
Initiatoren schon ihrer jugendarbeiterischen Vergangenheit.
Allerdings auch die Perspektive des zukünftigen Betriebs, der
von den Betriebsmitgliedern selbst organisiert, später selbst
verwaltet werden sollte, machte den Versuch notwendig,
Kompetenzen zu entwickeln, die normalerweise nicht Bestandteil
der Berufsausbildung sind: ökologisches
Verantwortungsbewußtsein und Wissen sowie selbstorganisierte
kollektive Handlungsfähigkeit. Diese zu erlernen, war Element
des Ausbildungsplans. Das bedeutete: Ausbildungsorganisation
gemeinsam mit den Auszubildenden. Das bedeutete: viel Raum für
individuelle Entwicklungen, Selbstfindungsprozesse und soziale
Orientierungen. Das bedeutete: Übungen in Gruppenwahrnehmung,
Konsensfindung, Konfliktfähigkeit. Das bedeutete auch:
regelmäßige Seminare zur Verdichtung sozialer und ökologischer
Thematiken.
SOLTRONIC": SELBSTHILFEBETRIEB FÜR ÖKOLOGISCHE TECHNIKEN
Das Ende der Ausbildung belegte die
Tragfähigkeit der skizzierten Ausbildungskonzeption. Mit
Unterstützung der VereinmitarbeiterInnen wurde im Juni 1988
schließlich der Betrieb Soltronic GmbH" gegründet,
der den Schwerpunkt seiner Arbeit seither im Bau von
Sonnenkollektoranlagen zur Brauchwasserbereitung hat. Später
hinzu kamen der Bau von Photovoltaik- und von
Regenwassersammelanlagen.
Die Anfangsphase war für die neuen Betriebsinhaber nicht leicht:
Da galt es nicht nur, sich Zug um Zug das notwendige Wissen für
die Betriebsführung anzueignen, sondern auch, ständig mit dem
Problem zu ringen, nicht ernst genommen zu werden.
Unregelmäßige Aufträge und die damit verbundene Unsicherheit
trugen ein Übriges dazu bei, daß mitunter
Endzeitstimmung" aufkam. Nur das Zusammenwirken von
großem Durchhaltewillen und Hilfestellungen aus dem Verein
ließen diesen Versuch letztlich gelingen.
Obwohl die Auftragslage nach wie vor schwankend ist, hat sich die
Situation inzwischen etwas stabilisiert. Der Betrieb zählt zur
Zeit vier Mitarbeiterinnen und pendelt zwischen erfolgreichen
Jahren, in denen die Auftragsschwemme kaum zu bewältigen ist und
konkursgefährdeten Perioden mit Arbeitslosigkeit infolge von
Anlaufschwierigkeiten bei der Installation neuer staatlicher
Solarförderprogramme oder konjunkturbedingtem Rückgang der
Kaufkraft der privaten Haushalte, der gerade bei
Luxusausgaben" wie ökologisch begründeten Mehrkosten
- besonders zu. Buche schlägt.
Dennoch: den jungen Betriebsmitgliedern ist ihr Betrieb soviel
wert, daß sie bisher alle Durststrecken überstanden haben.
WEITERENTWICKLUNGEN IN DER AUSBILDUNG
Mit vielen Modifikationen im Detail
galten die genannten Ziele auch in der Folgezeit als Leitlinien
der Ausbildung. Mit der Veränderung der gesamtwirtschaftlichen
Situation und der Veränderung der Teilnehmerlnnenstruktur in den
folgenden Ausbildungsjahren mußten Zielsetzungen, Konzepte und
Methoden aber später deutlich abgewandelt werden. Kamen 1984
noch überwiegend arbeitsmarktbenachteiligte Jugendliche in die
Ausbildung, so verschob sich das Gewicht mehr und mehr hin zu
individuell und sozial benachteiligten Jugendlichen.
Hochgesteckte Zielsetzungen wie z. B. zusätzliche ökologische
Qualifizierungen und selbstorganisierte Betriebsgründungen sind
für Jugendliche, die größte Schwierigkeiten haben, die
Anforderungen einer normale Berufsausbildung zu bewältigen, kaum
mehr zu erreichen.
Weiterhin im Mittelpunkt steht allerdings die
Persönlichkeitsentwicklung; auf sie wird ein gleich starkes
Gewicht gelegt wie auf die fachliche Qualifizierung.
Nach empfindlichen Rückschlägen und zahlreichen
Ausbildungsabbrüchen in den Jahren 1991 und 92 wurde eine
grundlegende Neukonzipierung der Ausbildung unausweichlich. Mit
neuen Ausbildungsberufen (MalerInnen, ElektroinstallateurInnen,
Hauswirtschafterinnen) neuen Orientierungs- und
Beschäftigungsangeboten und einem wirklich ganzheitlichen
pädagogischen Ansatz begann 1994 mit dem Modellversuch
Produktionsschule" eine neue Epoche der beruflichen
Qualifizierung in der J Jugendwerkstatt Felsberg.
Diese neue modellhafte Qualifizierungskonzeption der
Jugendwerkstatt ist auf einem gesonderten Faltblatt
ausführlicher beschrieben.
ENERGIEALTERNATIVEN UND BILDUNGSREISEN: FORTBILDUNG UND MOTIVATION IN DÄNEMARK
1986 wurde die erste Reise nach
Dänemark organisiert, an der die damaligen Auszubildenden und
einige interessierte andere Personen teilnahmen. Es war bekannt,
daß in Dänemark in relevantem Ausmaß das versucht wurde, was
für die Bundesrepublik entfernte Utopie war und ist: keine
Atomenergie und konsequenten Ausbau der Versorgung aus den
regenerativen Quellen. Die Mischung aus konkreter Anschauung an
existierenden Anlagen, energiepolitischem Background und dem
Kontakt zu interessanten Personen aus der Energiebewegung
faszinierte alle.
Der Prozeß, der in Dänemark 1984 zum Parlamentsbeschluß
führte, auf Atomkraft zu verzichten, aber auch die
Professionalisierung der Energiebewegung in den Jahren danach,
waren spannende Inhalte eines lebendigen Bildungsprozesses auf
dieser Fahrt. In den Diskussionen stand natürlich die
Übertragbarkeit auf hessische bzw. bundesdeutsche Verhältnisse
immer wieder im Mittelpunkt.
Seither sind viele Bildungsreisen mit Jugendlichen und
Erwachsenen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung
durchgeführt worden. Dabei arbeiteten auch Auszubildende als
Teamer mit. Die Entwicklungsgeschichte der Jugendwerkstatt
verdankt diesen Reisen wichtige Impulse.
Daneben gründeten Teilnehmerinnen dieser Reisen 1990 den Verein
Energiekontor in Nordhessen", der versucht, durch
Information eine breite Öffentlichkeitswirkung der
Energieproblematik zu erzielen und energiepolitische Aktivitäten
in der Region zu entfalten.
DIE ENERGIEBERATUNG: INFORMATION UND BILDUNG FÜR EINEN BEWUSSTEN UMGANG MIT ENERGIE
Der Schwerpunkt Energie wurde ab 1987
weiter ausgebaut: Von diesem Zeitpunkt an wurde eine öffentliche
Energieberatungsstelle betrieben.
Die Konzeption für die Beratungstätigkeit stellte zwei
Aufgabenfelder in den Vordergrund: die Bildungsarbeit und die
Beratungsarbeit. Die Bildungsarbeit sollte, gerade auch in
Kooperation mit anderen Institutionen wie Volkshochschulen,
Verbänden und anderen Bildungsträgern, energiepolitische
Anstöße theoretisch und praktisch vermitteln. Inzwischen
existiert ein regelmäßiges Kursangebot, das vom Energiesparkurs
über die Baubiologie bis hin zum Workshop für Selbstbauer von
Solar- oder Regenwassersammelanlagen reicht. Der größten
Nachfrage erfreuen sich die Kurse und Bildungsurlaube zum
Solaranlagenbau.
Zweiter Arbeitsbereich waren die Einzelberatungen für Haushalte
und Betriebe. Beraten wurde über sinnvolle
Energiesparmaßnahmen, Wärmedämmung, Heizungsmodernisierung,
Solaranlagenbau bis hin zu detaillierter Konzeptentwicklung mit
Bedarfsrechnungen.
Beratungs- wie Bildungsarbeit lösten meßbare Impulse für das
Handwerk in der Region aus. Auch der Solaranlagenbetrieb
Soltronic GmbH", den Auszubildende 1988 nach ihrer
Gesellenprüfung gründeten, profitierte von der Tätigkeit der
Beratungsstelle. Das Beratungsangebot konnte weiter verbessert
werden seit sich zwei ökologisch orientierte Büros hier
ansiedelten, ein auf Photovoltaikanlagen spezialisierter
Elektroingenieur und ein Architekturbüro, die alle zugleich auch
als praxiserfahrene Referenten in der Bildungsarbeit mitwirken.
Auch die Bildungs- und Beratungsarbeit sind gesondert noch
ausführlicher beschrieben.
BESONDERE HÖHEPUNKTE: MODELLHAUS UND ENERGIEFESTE
1989/90 wurden sowohl die räumlichen
Bedingungen verbessert (Vortragsraum) als auch eine Reihe von
umweltschonenden energietechnischen Anlagen installiert. Die zu
diesem Zeitpunkt dringend erforderliche Erweiterung der
Vereinsgebäude wurde - in Korrespondenz zu den Zielen des
Vereins - nach einem modellhaften ökologischen Konzept
ausgeführt. Mit Unterstützung zahlreicher Förderer wurde ein
integriertes Ökologisches Gesamtkonzept für den Neubau und die
Modernisierung der vorhandenen Gebäude entwickelt und umgesetzt
Das 1990 fertiggestellte erste gewerblich genutzte
Niedrigenergiehaus in Hessen zeichnet sich durch ökologische
Baustoffauswahl, Regenwassersammlung, passive
Sonnenenergienutzung und umweltschonende aktive Energiesysteme
wie Sonnenkollektoren, 50 m2 Solarzellen, kontrollierte Lüftung
mit Wärmerückgewinnung und ein kleines Blockheizkraftwerk aus.
Die Solarzellen, die. Wärmerückgewinnung und das
Niedrigenergiebaukonzept wurden in den folgenden Jahren von
verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen auf ihre
Wirksamkeit hin untersucht. Die Untersuchungsergebnisse wie die
Anlagen und der Bau selbst sind seitdem praktische und lebendige
Demonstrationsbeispiele in der Bildungs- und Beratungsarbeit.
Mit der Einweihung des Modellhauses im Oktober 1990 wurde ein
für die regionale Energiearbeit bedeutungsvoller neuer Focus
geschaffen. Es wurde ein großes Energie- und Kulturfest
veranstaltet mit zahlreichen Fachvorträgen, Hausführungen,
Ausstellungen, einer energietechnischen Fachmesse sowie Musik,
Kleinkunst und Kinderprogramm. Diese Programmischung lockte
Tausende von Besuchern an und wird seither im zweijährigen
Rhythmus fortgeführt. Der Erfolg dieser Veranstaltungen läßt
sich nicht nur an den nach wie vor hohen Besucherzahlen ablesen,
sondern schlägt sich in der Folge jeweils in einer steigenden
Nachfrage nach Beratung und Bildungsangeboten nieder.
VON DER REGIONALEN ZUR EUROPÄISCHEN ORIENTIERUNG
Der räumlichen Erweiterung der
Gebäude folgte die räumliche Ausweitung der Arbeit. Für ein
Projekt, das seine Gründung der Provinzarbeit verdankte und sich
selbst über seine regionale Orientierung definierte, war dies
ein bedeutsamer Einschnitt. Zwar hatte es immer schon
internationale Kontakte und Begegnungen in der Jugendwerkstatt
gegeben, die neue und fruchtbare Erfahrungen für die
Jugendlichen bedeutet hatten. Es bedurfte aber noch zahlreicher
Besuche, Reisen, Fachkonferenzen und kleinerer
Kooperationsprojekte, um im Verein eine Horizonterweiterung zu
bewirken und ein Bewußtsein für Sinn und Nutzen des Lernens
voneinander in weiteren geographischen und soziokulturellen
Dimensionen zu entwickeln. Daß regionale und europäische
Orientierung kein Widerspruch sind sondern in ihrer Verbindung
neue Möglichkeiten des Lernens und der. Entwicklung beinhalten,
mußte von uns erst leibhaftig erlebt werden.
1991 war die Zeit dann reif. Begegnungen mit interessanten
Menschen und Projekten fielen jetzt auf bereiteten Boden, wurden
aufgegriffen, gestaltet und zu Kooperationsideen ausgebaut.
Gemeinsam mit Partnern aus Thüringen und Südspanien wurden
Kooperationsprojekte entworfen und beantragt.
In Thüringen ging es um Beratung und Unterstützung bei
Strukturund Konzeptentwicklung eines Jugendhilfevereins, der
Jugend- und Kulturarbeit, berufliche Qualifizierung und
pädagogische Fortbildung. mit dem Aufbau einer
Jugendbildungsstätte verbindet. Die Felsberger Erfahrungen
sollen hier nutzbar gemacht, ökologische Qualifizierungskonzepte
gemeinsam weiterentwickelt, zielgruppenspezifisch
ausdifferenziert und in der Zusammenarbeit mit weiteren Partnern
erprobt und verbreitet werden. Um diesen ökologischen
Qualifizierungsansatz mit interkulturellem Lernen und der
Herausforderung des Zusammenwachsens in Deutschland zu
verschränken, finden immer wieder gemeinsame Qualifizierungs-
und Baueinheiten mit Jugendlichen aus Thüringen und Hessen
statt.
Bei der Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bullas, Region Murcia, in
K Südspanien . steht die berufliche Fortbildung von arbeitslosen
jungen Elektro- und Wasserinstallateuren in Solartechniken im
Mittelpunkt. Hier wie in Thüringen soll das in Felsberg
erfolgreiche Konzept weiter erprobt werden, durch ökologische
Qualifizierungsprojekte regionale Nachfrage und berufliche
Kompetenz für umweltschonende Energietechniken aufzubauen, als
Basis für neue Arbeitsplätze für Jugendliche in
strukturschwachen ländlichen Regionen. Langfristig geht es bei
dieser spanisch-deutschen Partnerschaft um den Austausch und eine
breit angelegte Zusammenarbeit in den Bereichen Energie-,
Struktur- und Jugendpolitik.
Auch diese beiden Arbeitsfelder sind auf gesonderten
Faltblättern ausführlicher dargestellt.
Für uns in Felsberg ist neben den vielfältigen Dimensionen des
interkulturellen Lernens für die Jugendlichen wie die
Mitarbeiter von besonderer Bedeutung, Qualifizierungskonzepte
für umweltschonende Energietechniken breiter erproben,
weiterentwickeln und verbreiten zu können und zugleich einen
innovativen Ansatz zur Schaffung von Arbeitsplätzen für
benachteiligte Jugendliche weiter vermitteln zu können. Damit
können wir zugleich dem Modellauftrag zahlreicher Förderer. in
Teilaspekten in besonderer Breite gerecht werden
Für den Verein hat diese Ausweitung viele positive Impulse und
Ergebnisse erbracht. Gerade die Zusammenarbeit in Europa kostet
viel Energie, bringt aber auch wichtige Erfahrungen. Nicht
verschwiegen werden soll allerdings auch, daß diese
Neuorientierung auch durch Veränderungen der Fördersituationen
in der Bundesrepublik ermöglicht wurde. Hier sind
Förderschwerpunkte in einem Augenblick in Richtungen verschoben
worden, die glücklicherweise mit der inneren Entwicklung des
Vereins harmonierten. Bei der starken Abhängigkeit des Vereins
von Projektförderungen ist dies eine lebenswichtige Kongruenz.
Einschließlich der notwendiger Fehlschläge, Stagnationen und
internen Reibungen hat der Verein in den inzwischen rund zehn
Jahren seines Bestehens sowohl eine dynamische Entwicklung wie
ein genuines Wachstum durchlaufen. Von drei Mitarbeitern und
zwölf Auszubildenden ist die Beschäftigtenzahl inzwischen auf
20 Mitarbeiter und 40 Jugendliche angewachsen. Für die Zukunft
wünschen wir uns weniger Wachstum, gleichwohl Dynamik und etwas
mehr Zeit fürs Reflektieren und Experimentieren.
(Quelle: unbekannt)