Buchbesprechung: Gemeinsam mehr erreichen
Flieger/Nicolaisen/Schwendter (Hg.); Gemeinsam mehr erreichen - Kooperation und Vernetzung alternativ-ökonomischer Betriebe und Projekte; Stiftung Mitarbeit: Beiträge zur Demokratieentwicklung von unten Bd. 8; München (AG SPAK) 1995, 528 S.
Der Reader ist aus der Arbeit und den Diskussionszusammenhängen des Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie (TAK AÖ) entstanden. Obwohl sich die meisten der 33 Beiträge mit Arbeitsansätzen, Theorien und Fallstudien aus deutscher Sicht beschäftigen, erscheint das Buch auch über die expliziten Dritte-Welt-Artikel hinaus für die entwicklungspolitische Diskussion interessant. Viele der vorgestellten und diskutierten Ansätze findet man in der konkreten Entwicklungszusammenarbeit vor On in nur leicht verändertem Kontext wieder.
Durch die Konjunktur, der sich viele NGO ausgesetzt sehen und durch die sie stärker ins Rampenlicht gerückt werden, sind sogenannte
B Basisansätze nicht nur salonfähig geworden, sondern sie werden zunehmend wichtig und fliessen in entwicklungspolitische Konzepte ein. Das vorliegende Buch leistet zu dieser Diskussion - auch wenn dies von den Herausgebern gar nicht explizit vorgesehen war einen Beitrag.
In drei Teile haben die Herausgeber die breite und zugleich reiche Vielfalt von Beiträgen eingeteilt: In ( 1) Theorie bzw. Grundsätzliches zu Kooperation, (2) Praxisbeispiele der Vernetzung und (3) Umsetzungshilfen für Kooperation und Vernetzung. Autoren, die sich schon seit geraumer Zeit mit der Thematik beschäftigen (R. Schwendter, E. Sing, B. Flieger etc. um nur einige zu nennen) stellen den theoretischen Rahmen des Konzept Vernetzung vor. Dabei wird nicht nur ein einstimmiges Loblied auf jede Art von Vernetzung gesungen, obwohl der positive Grundtenor eindeutig überwiegt, - sondern es wird auch auf die Probleme hingewiesen und Widersprüche (Gerschlager/Pellert z.B.) werden aufgezeigt. Die Schwierigkeiten werden vor allem mit der Absicht analysiert-und dargestellt, Schlüsse für Wege zur Überwindung abzuleiten.
Die im zweiten Teil beschriebenen Praxisbeispiele entstammen nicht nur der schon vielfach diskutierten altbekannten Szene selbstverwalteter Betriebe aus dem Alternativbereich, sondern gehen ganz besonders auf die neueren Initiativen ein. Damit wird deutlich, daß kollektives Wirtschaften sich längst aus der vorurteilsbehafteten Nische herausbewegt hat, in etablierte Bereiche vorstößt und sich den aktuellen Fragen und Themen stellt. Nicht nur die klassischen Felder, wie Bildung und Ökologie, sondern auch Bankwesen (Ökobank) und Fairsicherungen werden diskutiert. Dabei werden auch Fragen aufgeworfen, die lange Zeit bei Alternativen als Tabus nicht angesprochen wurden, wie die soziale Absicherung der Mitglieder/Mitarbeiter gemeinschaftlich geführter sog. Alternativbetriebe (z.B. NETZ, S 187 ff.). Das Beispiel der ökologischen Bautechnik isofloc aus Nordhessen zeichnet nach, wie es der Firma gelungen ist, auf dem Markt ihren Platz zu finden.
Ob der BUKO ein Paradebeispiel für diesen Zusammenhang ist, mag dahingestellt sein. Wenn sich auch die Organisationsstruktruen des BUKO von denen typischer Alternativbetriebe unterscheiden, so ist ihnen der Vernetzungsgedanke als wichtige Säule der Arbeit gemeinsam. Die Autorin (Wortmann) beschreibt zwei Aktionsfelder die verschiedenen thematischen Kampagnen und die Vernetzung der vielen z.T. kleinen Gruppen aus dem Solidaritätsbereich. Das von Vest vorgestellte Beispiel des AT-Verbandes (angepasste Technologie) zeigt, wie der Zusammenschluss von Engagierten und Fachleuten sich entwickelte, um angepasste, sozial- und umweltverträgliche Technologie zu verbreiten. Die Zusammenarbeit mit fast allen entwicklungspolitischen Organisationen, staatliche und nichtstaatliche, kann als Erfolg des Konzeptes gewertet werden.
Im dritten Teil wird der Bogen gespannt zwischen weltweiter Vernetzung über Mailboxen und der Entwicklung und Förderung lokaler Wirtschafts- und Vernetzungsstrukturen. Gerade dieser Teil des Buches macht deutlich, daß mit einem lange Zeit verbreiteten Vorurteil aufgeräumt werden muß, das Alternativbetriebe mit Theorie- und Modernitätsfeindlichkeit gleichsetzt - wobei nichts darüber gesagt sein soll, ob es diese nicht weiterhin gibt. Neuere Methoden der Managementberatung und Konfliktlösungsstrategien ebenso wie computergestützte Vernetzungssysteme sind auf den selbstverwalteten Bereich zugeschnitten.
Auch wenn der Dritte-Welt-Bezug nicht im Vordergrund steht, so ist der Reader vor allem für die ein interessantes und lesenswertes Nachschlagewerk, die sich in der Entwicklungspolitik mit dem Selbsthilfeansatz beschäftigen.
T.M. (aus Peripherie, Nr. 64 (1996))
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