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Sigus e.V., Dresden: RAMBA RABOTA - Impulse für einen anderen Umgang mit Arbeitslosigkeit

Unter Hyperlink http://www.evita.de soll die Deutsche Post über 700 Web-Adressen zusammengefaßt haben - mit einem Angebot von mehr als einer Mio. Jobs - na bitte, Arbeitslosigkeit ist vielleicht doch ein subjektives Problem der Arbeitslosen - bei diesem Stellenangebot?

Sehen wir zunächst davon ab, daß Arbeitslosigkeit der Konstruktion kapitalistischer Gesellschaften folgt - das wissen wir von Marx, Kalecki oder Hickel - ist sie natürlich auch ein subjektives Problem für die "Betroffenen". Zum einen will sie "bewältigt" sein; zugleich entstehen damit auch Fragen nach der Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Arbeitsangeboten oder gar Betätigungsweisen. Hier geht es um den Vorrang des Rechts auf (gesellschaftliche) Teilhabe gegenüber dem Recht auf Arbeit oder auf Faulheit.

Dies und die Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Betätigungsweisen ist aber faktisch wenig vorhanden, solange die Existenzsicherung so stark von der Stellung im System der Erwerbsarbeit bzw. in diesem Zusammenhang ererbtes Kapital dominiert wird.

Aus dieser Kopplung geraten wir unter jenen Dauerdruck, den Kieselbach "einen sehr begrenzten Verhaltenskorridor" nennt - versteifen wir uns zu sehr auf die Jobsuche ist die Frustrationsschwelle schnell erreicht; richten wir uns "gut in der Arbeitslosigkeit" ein, riskieren wir gesellschaftliche Mißachtung und Diskriminierung als "Arbeitsunwillige".

Wie aus diesem Dilemma herausfinden, zumal Arbeitslosigkeit stark individualisiert erscheint und die Arbeitslosen selbst eine höchst heterogene soziale Gruppierung mit ebenso differenzierten Ressourcen, Kompetenzen und Interessen sind?

Es gibt daher keine allgemeingültige Lösung, wohl aber können wir neben den inzwischen sehr vielfältigen praktischen "Bewältigungserfahrungen und -strategien" nach Ansätzen und Handlungsmöglichkeiten fragen auf persönlicher (biografisch, familiär), gemeinschaftlicher, regionaler und gesellschaftlicher Ebene. Dazu sollten wir uns zuvor über die Zielrichtung verständigen.

Die Arbeit bestimmt das Leben ...

So war es bisher, aber die grundlegenden technisch-technologischen und arbeits- und wirtschaftsorganisatorischen Innovationen der letzten Jahre stellen die lange eingeübten und bewährten Arbeitsweisen und Lebensmuster rigoros in Frage. "Normalarbeitsverhältnisse" mit langjährigen Verträgen, Vollzeit oder der Trennung von Arbeit und Freizeit verlieren ebenso an Bedeutung wie die "Normalbiografie", worin die Jugend auf den Beruf vorbereitet wird und die Erwerbsphase das Alter absichert. Im Schlepptau dieser gesellschaftlichen Umwälzungen kommt es zu persönlichen und regionalen Krisen, die an niemandem von uns vorbeigehen; "Arbeitslosigkeit" prägt zumindest als Episode inzwischen die Lebenserfahrungen der meisten von uns. Doch das muss uns nicht umwerfen, denn: Krisen sind stets auch Chancen für ein verändertes Leben und Arbeiten. Den Umbau der Industriegesellschaft wollen wir für einen Wertewandel nutzen -

Das Leben bestimmt die Arbeit!

Zweifellos handelt es sich hier um ein politisch heftig umkämpftes Terrain und unsere Chancen sind nicht sonderlich gut. Aber Turbokapitalismus und Dienstbotengesellschaft ist eine denkbare Zukunft, der wir uns schon aus vitalen Existenzbedürfnissen widersetzen müssen. Dabei gilt es, aus den Ambivalenzen von De-Industrialisierung, Entstaatlichung, Individualisierung, Technisierung oder Globalisierung unsere Ansatzpunkte herauszufinden und solidarisch auszubauen. Folgende Werte leiten uns hierbei:

– Grundrecht jedes Menschen auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, unabhängig der Position in der Arbeitswelt;

– Orientierung von Arbeit auf Gebrauchswert, soziale und regionale Sinnhaftigkeit;

– mehr Möglichkeiten zu selbstbestimmter und gemeinschaftlicher Betätigung;

– Leben (lernen) statt beschäftigt werden (AGAB Bremen)

– Dialog statt Ausgrenzung, stabile u. transparente Formen öffentlicher Kommunikation.

Davon sind wir heute noch weit entfernt. Mit Arbeits- und Perspektivlosigkeit in diesem Umfang und in dieser Dauerhaftigkeit können und wollen die gesellschaftlichen Eliten nicht umgehen. Was haben sie Arbeitslosen zu bieten? Kontrolle und Druck in Richtung kurzzeitiger und untertariflich entlohnter Jobs oder Existenzgründungen; Hilfe statt Arbeit durch "Anpassungsfortbildungen", "Bewerbertrainings" und "Maßnahmen" in simulierter Arbeit.

Dieser Mix aus Druck und Hilfe erzeugt tatsächlich Ellenbogenmentalität und (staatlich subventionierte) Hilflosigkeit - die Wirkung wird zur Ursache umdefiniert und damit Selbsthilfepotentiale verschüttet. Eine volkswirtschaftlich und sozialpolitisch fatale Logik - so wird "industrielle Reservearmee" psychologisch auf ihre Lückenfunktion zugerichtet. Viele erkennen das, sehen sich aber nicht in der Lage, in diese laufende Maschine einzugreifen.

Angesichts dieser demotivierenden und deprimierenden Befunde bestehen wir dennoch darauf, nach dem Sinn von Arbeit in unserem persönlichen Werte-, Beziehungs- und Biografiekontext zu fragen?

Warum nicht? Beginnen Veränderungen nicht bei uns selbst? Erwachsen gesellschaftliche Akzentverschiebungen und Innovationen nicht aus dem "Pioniergeist" Einzelner und kleiner Gruppen "Betroffener", die zum Handeln gezwungen sind bzw. die an sie als "normal" gestellten Anforderungen nicht akzeptieren können und wollen?

Dieser durch die Kapitalisierung, Globalisierung und Dynamisierung der Arbeitswelt erzeugte Wandel unserer Lebensverhältnisse sollte nicht als Schnitt vollzogen werden, wenn es nicht mehr anders geht. Heute geht es vielmehr darum, Übergänge und Passagen als Prozesse zu organisieren, von der Industriegesellschaft in die Dienstleistungs-, Wissens- oder was auch immer -gesellschaft, in unseren Biografien vom durch Erwerbsarbeit definierten Lebenslauf zur multidimensionalen Biografie.

Das setzt irgendwann das Eingeständnis voraus, daß dominante Erwerbsarbeit weder die Gesellschaft trägt, noch uns persönlich ernährt - und das ein ganzes Leben lang.

Nachfolgend werden einige Beispiele und Varianten für derartige Übergänge - und Bewältigungsversuche von Arbeitslosigkeit - skizziert, die weder vollständig sind, noch alternativ zu Begriffen werden sollten:

"Ihr könnt uns mal" - der individuelle Ausstieg

Sicher die radikalste Lösung, wozu starke Nerven und Fantasie erforderlich sind, um dem Druck und den Kontrollgelüsten der zuständigen Behörden standhalten zu können, bzw. die Existenz dann zu sichern, wenn auf "Transfereinkommen" verzichtet wird. Die "Glücklichen Arbeitslosen" faszinieren offenbar immer mehr Zeitgenossen.

"Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Grundkonsens" - komplex-systemische Ansätze

Zuweilen wird über die "Zukunft der Arbeit" gestritten, weniger über die aktuellen Übergangserfordernisse. Die zielgerichtete Strukturierung von Übergangs- und Wechselarbeitsmärkten wird als ein machbares Zukunftskonzept neben dem "öffentlichen Beschäftigungssektor" oder lediglich marktorientierten Existenzgründungsprogrammen bestehen. Solche zwischen unterschiedlichen Beschäftigungssektoren und Arbeitsmärkten (Kurzzeit-/Vollzeitarbeit; Arbeit/Bildung; Arbeitslosigkeit/Erwerbsarbeit; Privathaushalt/Erwerbsarbeit; Erwerbsarbeit/Familienphase; Erwerbsarbeit/Eigenarbeit; Erwerbsarbeit/Rente ...) bergen beachtliche Chancen zu selbstbestimmter "Flexibilisierung" der Organisation von Arbeit und des eigenen Lebens. Sie kombinieren existenzsichernde Erwerbsarbeit mit gesellschaftlich und individuell nützlichen Tätigkeiten. Im Zeichen von Globalisierung und Regionalisierung liegen hier immense Innovationspotentiale für eine Arbeitsmarktpolitik, die nicht ausschließlich auf Vollzeitbeschäftigung, "1. Arbeitsmarkt" und "Normalarbeitsverhältnisse" fixiert ist. Im Gegensatz zum hierarchischen Konstrukt des "2. Arbeitsmarktes" entstehen hier tatsächlich Brücken in den "1. Arbeitsmarkt", aber auch zu anderen privaten und gemeinschaftlichen Tätigkeiten. Wenn das Prinzip der Wahlfreiheit nicht verletzt ist, werden Übergänge - in beiden Richtungen - fließender, Grenzen durchlässiger und die Motivation steigt.

"die Logik meines Lebenslaufes" - biografisch-lebensweltliche Versuche

Auf der persönlich-lebensweltlichen Ebene haben wir hier das andere Ende der gerade beschriebenen Systemstrategie. Dieser Zuwachs an Autonomie und Wahlfreiheit für das Individuum und dessen Selbstorganisationsbestrebungen muß politisch erstritten werden, da die traditionelle "Arbeitsförderung" gerade dies mit bemerkenswerter Konsequenz verweigert.

Gefragt sind Übergange zwischen verschiedenen Betätigungsweisen (Erwerbsarbeit-Partnerschaft/Familie; Vollzeit-/Teilzeitarbeit; Arbeit-Bildung; Erwerbsarbeit-Eigenarbeit-bürgerschaftliches Engagement ...) und Lebenslaufphasen (Übergang Jugend - Erwachsenenalter; dto. Erwachsenenalter - Alter).Die Gestaltung dieser Übergänge könnte in der Tat das Arbeitslosenproblem der Arbeitsgesellschaft erheblich entschärfen, weil hier Ressourcengewinne für die Flexibilisierung von Lebens- und Arbeitswelten schlummern.

"InnoRegio", "Soziale Stadt", AGENDA 21 & Co. - regionale Bestrebungen

In jüngster Zeit wurden auffällig viele regionale Entwicklungsprogramme seitens der Wirtschaft, Verwaltung/Politik und der Forschung inszeniert. Angesichts global wütender Großkapitale soll durch komplex-integrale Entwicklungskonzepte dem drohenden Verfall ganzer Regionen und Wohnquartiere begegnet werden. "Wettbewerbsfähigkeit" ist ebenso ein Basisindikator, wie das Handeln der "realen BewohnerInnen" - nicht als Produzenten, Verbraucher usw, sondern als BürgerInnen des Gemeinwesens - blaß bleibt, eine aktive Bürgerschaft wohl eher nachrangig ist. Selbstorganisierte Bürger-Projekte sind "der Obrigkeit" offenbar nach wie vor suspekt.

Auf verschiedenen Ebenen sind also gehäuft durch verschiedene Akteure sehr differenzierte Bewältigungsversuche von Arbeit(slosigkeit) zu beobachten. Welche Wege finden wir - "im System" und dieses doch zugleich nachhaltig verändernd? Ist dies eine Utopie, eine Illusion gar?

Wir sind dann "Betroffene", wenn wir eine Entwicklung als schicksalhaft hinnehmen; eingedenk unserer Erfahrungen, Kompetenzen und Motivationen sind wir stets auch "Experten". Uns geht es nicht darum, ein elitäres Roß zu bespringen, sondern individuelle Handlungsspielräume und Ressourcen zu suchen, um darauf aufbauend gemeinschaftliche, regionale und gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten zu verorten und Handlungsstrategien zu finden.

Wir befragen Handlungskonzepte und Erfahrungen von Personen(gruppen), die Arbeitslosigkeit nicht als individuelles Versagen und Anlaß für Resignation und Rückzug empfinden, sondern als Herausforderung für zu Lohnarbeit alternativen Formen und Versuchen existenzsichernder und sinnstiftender Tätigkeit: integrative Lebens- und Wohnprojekte wie bspw. Gemeinschaftshöfe Gemeinschaftsunternehmen, Genossenschaften, Verbrauchergemeinschaften usw. Tauschringe

Eine-Welt- und Umweltprojekte.

Mit dem Aufzeigen von "alternativen" Versuchen und Wegen des Übergangs aus der Dominanz durch Lohnarbeit wollen wir

soziale Innovationen im Kontext der "Krise der Arbeitsgesellschaft" anregen und Arbeitslosigkeit als soziales Problem dem öffentlichen Diskurs zugänglich machen. Beide Ziele prägen unsere konkreten Projekte, wobei wir stets hinreichend komplexe Wege angehen. Für unser CasaLina-Lebensprojekt - Wohnen im Generationenverbund in Dresden-Langebrück - bedeutet das, Wohnen mit Arbeiten (im Sinne eigener Existenzsicherung und von Lokaler Ökonomie) und Bürgersein (von Nachbarschaftsselbsthilfe bis kommunalpolitisches Zentrum) zu verknüpfen. Davon soll hier nicht weiter berichtet werden.

Für unsere Initiativen bezüglich der Arbeit(slosigkeit) folgen wir ebenfalls integrativen Ambitionen, indem wir uns nicht auf die "Arbeitslosen-Szene" beschränken, sondern auch Personen einbeziehen, die durchaus "sichere Arbeitsstellen haben", mitunter auch regionalen Eliten zudefiniert werden können, vor allem aber Sensibilität für die geschilderten Entwicklungen und den Willen haben, "etwas" zu tun. Hier folgen wir Bob Jungks Impuls.

Wer ist "von Arbeitslosigkeit betroffen" - Arbeitslose nebst Familie und Umfeld, Menschen in "prekärer Beschäftigung", am 2. Arbeitsmarkt und in anderen "Maßnahmen", um ihren Arbeitsplatz bangende und/oder unter Arbeitsdruck leidende Arbeitnehmer, Menschen die sich um Arbeitslose kümmern ... ?

Unsere Ausgangsthese lautet: In einem Gemeinwesen sind trotz der auch im Osten vermehrt beobachteten sozial-räumlichen Segregation letztlich alle BewohnerInnen von Problemen wie Wohnungs-, Bildungs- oder Arbeitsnot betroffen. Räumliche Nähe provoziert eine konkrete soziale Wahrnehmung und Verantwortung.

Zählt man alle eben aufgezählten Gruppen zusammen und betrachtet die Lebensläufe vieler Menschen in den letzten zehn Jahren, dann ist die Feststellung nicht übertrieben: Hunderttausende sind in der Region Dresden direkt oder indirekt im alltagspraktischen Sinne mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Auf bisher übliche Weise ist dem nicht mehr beizukommen. Wir wollen daher mit Methoden der Netzwerk- und Gemeinwesenarbeit und der BürgerInnenaktivierung der weiteren Verarmung von immer mehr Bewohnern und der öffentlichen Haushalte gegensteuern. Um die Zielstellung ins Positive zu wenden: Wir müssen unsere eigenen Kräfte vor Ort als Innovationspotentiale entdecken und stärken, uns durch Kommunikation "empowern".

Erste Erfahrungen haben wir seit 1996 in einem Aktionsnetzwerk gesammelt, worin der Diskurs zwischen verschiedenen kommunalen Akteuren in Dresden angekurbelt und ihre Handlungsstrategien thematisiert wurden.

Gegen Ohnmachtsempfinden und Resignation setzen wir auf die Macht von Beziehungen und Kommunikation. Diese Form von Macht, die entsteht, wenn Menschen miteinander in Beziehung treten, ist Dreh- und Angelpunkt im Community Organizing (CO), einer Form von gemeinwesenorientierter Netzwerkarbeit. Als Leitprinzipien sind u. a. verbindlich: Tu nie etwas für jemanden, das er/sie selbst tun kann; Macht ist die Möglichkeit zu handeln und entsteht durch Kommunikation und Beziehungen; Menschen werden aus eigenem Interesse heraus aktiv ...

Auch wir gehen davon aus, daß Menschen - wie im Falle häufig lähmender Arbeitslosigkeit - nur dann zu aktivieren sind, wenn wir an ihre Interessen und Ressourcen anknüpfen und die Interessen unterschiedlicher Akteure in Dialog bringen. Beidem dienen unsere nachfolgend kurz skizzierten Projekte, wobei wir hier auf die Arbeit des vermutlich ersten und letzten "Arbeitslosenbeirates" in der Bundesrepublik - inzwischen von "der neuen bürgerlichen Mehrheit im Dresdner Stadtrat" wieder abgeschafft - verzichten müssen.

Samba Rabota – Kampagne für ein Leben ohne und mit Erwerbsarbeit

"Die Arbeit" macht die Menschen meist kaputt (wer spricht heute noch von "Humanisierung der Arbeitswelt"?); aber ohne Arbeit können die meisten von uns kaum (materiell & psychisch) leben? Wie kommen wir aus dieser Klemme? Wie gehen wir mit diesem Widerspruch um?

Feststeht: "Lohnarbeit" funktioniert nur, wenn gleichzeitig Menschen (zumindest zeitweilig) von ihr ausgesperrt sind. Andere Werte - Familie, Partnerschaft, Freundschaft, Nachbarschaft, Bildung, Reisen, Kontakte haben ... bleiben da häufig auf der Strecke; vom "Leben" nicht zu reden.

Was kann die Kampagne?

... einerseits den gerade Arbeitsstellenlosen Mut machen, daß Arbeitslosigkeit kein Unglück und das Ende des Lebens ist, sondern eine Chance, sich ein Stück Freiheit selbst - gemeinsam mit anderen - zu erobern, nicht auf Staat, Gesellschaft, Arbeitslosenfunktionäre usw. zu warten.

... andererseits den gerade in Arbeit befindlichen verständlich machen, daß Arbeitslose keine "Sozialschmarotzer" sind, sondern gewissermaßen ihr Spiegelbild, worin sie auch ihre Situation (negativ und positiv) erblicken können. Wenn sie die Augen aufmachen, können sie erkennen, daß diejenigen, die gerade auf Arbeit verzichten, die Zahl ihrer Konkurrenten minimieren. Schon deshalb sollten Arbeitsstellenhalter dafür "mitzahlen", daß ihnen Arbeitsstellenlose so Arbeit ermöglichen.

Was soll die Kampagne?

... bundesweit eine professionelle Medien-Kampagne entwickeln und durchsetzen, die Bewegung in die öffentliche Diskussion bringt. Das soll in einem lockeren Wettstreit von Ideen für Text, Graphik und Layout geschehen. Die Vorgaben sind knapp, die Offenheit groß. Gefragt sind Fantasie und Gestaltungswillen.

Im Rahmen dieser Kampagne und aus Anlaß des Robert-Jungk-Jahres 2000 planen wir in Dresden eine Zukunftswerkstatt Arbeit im Rundfunk: Wir werden über einen längeren Zeitraum kontinuierlich die Rolle und Zukunft von Arbeit(slosigkeit) für die Region thematisieren. Durch den Wechsel von personaler Werkstattarbeit und öffentlicher Diskussion der (Zwischen-)Ergebnisse im Rundfunk streben wir mehr Aufgeschlossenheit für soziale Erfindungen und gemeinschaftliches "Unternehmertum" an.

Mitstreiter/Unterstützer mit Ideen zur Umsetzung der bundesweiten Kampagne und/oder Kontakten zu aufgeschlossenen Medienleuten sind uns herzlich willkommen.

Gala - Ganzheitliche Arbeits-
& Lebens-Akademie

Wir sind keine "Elite"; wir sind aber auch nicht "Masse". Gala ist für Leute mit Pioniergeist da, die gemeinsam mit ähnlich Motivierten den Sprung in neue Lebens- und Arbeitsformen wagen wollen. Gala fordert persönliche und kollektive Kreativität und Kompetenz heraus und fördert damit innovative Formen der Existenzsicherung und Lebensgestaltung. Gala schafft Übergänge zwischen Arbeit, Arbeitslosigkeit, Bildung, Arbeit, Wohnen, Arbeit, Familie, Arbeit, Jugend, Erwachsenenalter((Erfahrungs)Alter usw. Damit schaffen wir Kommunikations- und Erprobungsräume für vielfältige kreative Umgänge mit Erwerbsarbeit und deren - gewollten und erzwungenen - Verlust. Gala ist ein "Labor" zur Entfaltung und Erprobung von Neigungen, Ideen und Innovationen.

Die ansonsten zwingende Kopplung zwischen Lohnarbeit (als fremdbestimmte Erwerbsarbeit) und Existenzsicherung kann hier zumindest gelockert werden durch das Teilen von Räumen, "Sachen" und Aktivitäten (mit dem wirtschaftlichen Nebeneffekt der Kostenreduzierung) oder eine Entmonetarisierung von Beziehungen und Bedürfnissen im Projekt und der Nachbarschaft (Tausch, gegenseitige Hilfe, sozialer Ausgleich und Zuwendung in Krisensituationen ...).

Das Aktionsnetzwerk Arbeit für DresdnerInnen verfolgt die Ziele

Öffentlichkeit herstellen

– Selbsthilfeprojekte anregen und unterstützen

– von Arbeitslosigkeit Betroffene ermutigen

– Partner & Förderer gewinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung, Politik, Kultur...

– Personen, Gruppen und Institutionen als regionale Akteure zusammenführen.

AKTIONS-NETZ-WERK bedeutet mithin: aktivieren - verknüpfen - handeln!

Die in der Studie "S. geht um die Wurst" 1998 in Dresden vorgestellten Ergebnisse sind ein Ausgangsmaterial des nachfolgend Weiterentwickelten.

Gala befindet sich gegenwärtig im Aufbau - auch hier sind Interessierte zum Mittun und Unterstützen aufgerufen - und startet in zwei Komponenten:

Als Begegnungs- und Bildungsstätte wird Gala Nichterwerbstätige anregen und bestärken, sinnstiftende Tätigkeiten zu finden und die eigenen Fähigkeiten und Wünsche "frei zu schaufeln". Das gilt natürlich auch für Erwerbstätige, die wir zudem ermuntern, "anders" / Volker Braun/, etwas weniger (kürzer) zu arbeiten oder mal auf Arbeit zu verzichten und Erfüllung und Bestätigung außerhalb von Erwerbsarbeit zu erfahren. - Mit Begegnung und Bildung wollen wir Impulse für eigenes Handeln (Selbsterkundung, Austausch) und Starthilfen für selbstbestimmtes Arbeiten und Leben geben.

Als regionale Kommunikations- und Verständigungsagentur will Gala zugleich Vor-Ort-Akteure in ein Bündnis für Arbeit UND Regionalentwicklung zusammenführen. Das UND ist entscheidend, da das Schaffen bzw. Erhalten von Arbeitsstellen und "Übergangsarbeitsmärkten", aber auch von Möglichkeiten zu bürgerschaftlichem Engagement, wirtschaftlicher und nachbarschaftlicher Selbsthilfe im Sinne lokaler und sozialer Ökonomie unter gemeinwesenorientierten Kriterien bewertet wird. Gala versucht auf neue Weise Wirtschafts- und Kulturentwicklung, Wettbewerbsfähigkeit und Solidarität, globale und regionale Ökonomie, die Pflege natürlicher und sozialer Ressourcen als gleichwertige Zielstellungen unter Einbezug möglichst vieler Akteure zu re-integrieren.

Moderations- und Mediationsleistungen im regionalen Verständigungsprozeß über Arbeit und Regionalentwicklung zu organisieren bzw. zu vermitteln heißt konkret, an bisher schon existierenden Formen und Foren ansetzend das Geschehen dialogisch zu machen, Interessengruppen, "Betroffene" und andere beteiligte Akteure zusammen zu bringen und Impulse für selbstorganisierte Kommunikationen und Kooperationen in den Stadtteilen, Orten und Nachbarschaften zu geben.

Eine Initiative des Aktionsnetzwerkes Arbeit für DresdnerInnen

Kontakt über: Sigus e.V. - c/o KISS - Ehrlichstr. 3 - 01067 Dresden, Tel: 0351-8027656 - Fax -8048835 - eMail: Sigus-CasaLina@t-online.de

Peter Müller & Sabine Schwerin

Aus: Forum Sozialpolitik, AG SPAK; Nr. 78, März 2000

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