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Chronologie Alternative Ökonomie 1978ff

Die Chronologie 1978ff war auf diesjährigen Sommerseminar der Versuch, so etwas wie ein „Alternatives Geschichtsbuch" zusammen zustellen. Die nachfolgenden Angaben waren mit Fotos und Grafiken versehen eine Ausstellung, wo die TeilnehmerInnen mit „eigene" Ereignisse die Chronologie ergänzen konnten.
Zusammenstellung: Waldemar Schindowski Email-Kontakt:
waldemar@leibi.de

 

1978

27. - 29. Januar: TUNIX-Kongreß in Berlin. Vorgestellt wird dort das Projekt "Tageszeitung". Bis Ende des Jahres bilden sich in 30 Städten TAZ-Initiativgruppen.

25. März - 4. April: III. Internationales Russell-Tribunal in Frankfurt.

Mai: Gründung des ersten Gesundheitsladen in Berlin.

4. - 16. Juni: Alternatives Umweltfestival in der Fabrik für Kultur, Sport und Handwerk in Berlin

12.-26. August: Seminar "Alternative Ökonomie der AG SPAK" in Altenmelle. Aus diesem Wochenendseminar heraus entsteht der Theoriearbeitskreis Alternative Ökonomie (TAK AÖ). Dieser informelle Zusammenschluß veranstaltet jährlich mehrere Seminare (u.a. das einwöchige "Sommerseminar") und gibt einen Rundbrief zum Thema Alternative Ökonomie heraus.

29. September - 1. Oktober: Großer Ratschlag des Sozialistischen Büros (SB) in Hamburg. Thema: "Alternative Ökonomie".

9. - 13. Oktober: 3. Frauen-Sommer-Universität in Berlin zum Thema: "Frauen und Mütter".

27. - 28. Oktober: Ernst-Bloch-Tage in Tübingen: "Marxismus und Naturbeherrschung".

23. November: In Berlin stellt sich das Netzwerk Selbsthilfe e.V. 4.000 Interessierten vor.

1. Dezember: Die Nr. 1 von "Sysiphos", Zeitung des Verband des linken Buchhandels erscheint

1979

Als einer der ersten eröffnet das Feministische Frauengesundheitszentrum in Frankfurt.

Kauf des Gebäudekomplexes Mehringhof in Berlin-Kreuzberg durch einige alternative Projekte (Schule für Erwachsenenbildung, Stattbuch, Gesundheitsladen u.a.). Mit den Jahren entwickelte sich dort eine rege Projektelandschaft mit unterschiedlichsten Mietern (Buchladen, Kneipe, Netzwerk usw.)

Gründung der CECOP (Europäisches Komitee der Produktivgenossenschaften. Die CECEOP umfaßte als Dachverband ca. 25 verschiedene nationale Verbände aus allen europäischen Ländern.

In Essen gründen 20 Bioladner eine kleines Abhollager. Daraus entwickelt sich ein professioneller Naturkostgroßhandel mit 20 Beschäftigten, die etwa 1986 Waren im Werte von circa 6,5 Millionen DM umsetzen. Das "Grüne Netz", ist eine assoziative Genossenschaft, in dem sich die sonst am Markt gegenüberstehenden Gruppen der Erzeuger, Händler und Verbrauche an einen Tisch setzen.

14. März: Bohrbeginn in Gorleben.

28. März: Beinahe-Atomkatastrophe in Harrisburg, USA.

April: Ab dem 17. April erscheint die taz täglich.

9. Juni: Besetzung des Geländes der ehemaligen UFA-Kopierwerke in Berlin-Tempelhof. Die Besetzung wurde von der Fabrik-Kommune aus Berlin-Kreuzberg durchgeführt. Nach langwierigen Verhandlungen wurden am 15. Oktober 1979 mit dem Senat ein dreijähriger Vertrag abgeschlossen. Auf dem UFA-Gelände entstanden eine Reihe von Projekten, u.a. ein Zirkus.

16. Juni: Festival "Rock gegen Rechts" anläßlich einer NPD-Kundgebung in Frankfurt.

17. Juli: Der nicaraguanische Diktatur Somoza flieht nach Florida. Damit geht eine 40jährige Diktatur der Familie Somoza zu Ende. Wenig später übernimmt die sandinistische Befreiungsfront die Macht in Nicaragua. In der entstehenden Solidaritätsbewegung für Nicaragua in Westeuropa, wurden eine Vielzahl von Unterstützungsaktionen für die Sandinasta durchgeführt. Neben Städtepartnerschaften, direkte Projektunterstützung entstanden eine Reihe Handelskooperationen zwischen Nicaragua und Solidaritätsgruppen in Europa. Ein Beispiel dafür war der Direktimport von Bananen oder Kaffee aus Nicaragua, mit garantierten Preisen für die Bauern und konzernunabhängiger Vermarktung in Europa. Etwa die Liberacion - Genossenschaft in Lehrte führte solche Soldiaritätsaktionen durch. Für ganz Norddeutschland koordinierte Liberacion die Aktion "Bananen aus Nicaragua", im Auftrag und in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Nica-Bananen. Der Vertrieb wurde über Bio-Läden, 3.-Welt-Läden und andere Gruppen abgewickelt.

20. - 31. August: Forum Alternativ in Wien

1. - 6. Oktober: 4. Sommeruniversität für Frauen in Berlin: "Autonomie und Macht von Frauen".

7. Oktober: Erstmals ziehen die Grünen in ein Landesparlament ein (Bremen)

24. Dezember: Rudi Dutschke stirbt.

1980

Über 80 Institute sind in der "Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Forschungsinstitute" zusammengeschlossen. Die AG will die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit der Mitglieder koordinieren, die Zusammenarbeit unter den Mitgliedern fördern und die ökologische Forschung in der Öffentlichkeit bekannt machen.

12. Januar: Gründungsparteitag der Grünen in Karlsruhe

18. März: Erich Fromm stirbt.

15. April: Der französische Philosoph und Schriftsteller Jean Paul Sartre stirbt 74jährig in Paris

4. Juni: Polizeikräfte aus mehreren Bundesländern und Einheiten des Bundesgrenzschutzes räumen den seit Anfang Mai den von Atomgegnern besetzten Bohrplatz 1004 bei Gorleben.

27. - 29. Juni: Großer Ratschlag in Frankfurt: Soziale Protestbewegungen und sozialistische Politik

29. September - 4. Oktober: Sommeruniversität für Frauen in Berlin: "Biederer Alltag - radikale Träume. Realität und Utopien erwerbstätiger Frauen"

8. Dezember: John Lennon wird in New York erschossen

1981

Hebammen in Berlin bilden einen Arbeitskreis mit dem Ziel "Einfluß auf die geburtshilfliche Situation" in Berlin zu nehmen. Ein Jahr später gründen sie das erste "Geburtshaus für eine selbstbestimmte Geburt e.V."

Gründung der STATTwerke in Berlin. Idee des Projektes war, für selbstverwaltete Betriebe eine Beratungs- und Finanzierungseinrichtung aufzubauen. 1985 wurde aufgrund von Aktivitäten Mitarbeitern von Stattwerke die Haftungsassoziation eG (Bürgschaftsbank für selbstverwaltete Betriebe) gegründet.

März: Aufbau des Energie- und Umweltzentrum am Deister in Springe. Auf dem Gelände eines ehemaligen Landschulheims bei Hannover wird versucht modellhaft energiesparende Techniken, Alternativ-Energie-System, umweltfreundliche Produkte herstellen und ökologisch orientierte Handlungsweisen aufzuzeigen.

8. März: 92 Personen gründen in Radolfzell die "Erzeuger und Verbrauchergenossenschaft Grünkern".

April: Der Frankfurter "Informationsdienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten" wird eingestellt.

Mai: Die Provinzzeitung "Motzer" wird eingestellt.

18. Juni: 10 GenossInnen gründen die Handwerkergenossenschaft in Mannheim. Diese Genossenschaftsinitiative reicht bis 1980 zurück wo Auszubildenden einer Schreinerstammtisch innerhalb der Jugendgruppe der Gewerkschaft Holz und Kunststoff in Mannheim initiiert hatten.

18 - 31. Juli: TAK AÖ - Sommerseminar in Altenmelle. AG’s zu Modellbetriebe und Projektstrukturen

22. September: Bürgerkriegsähnliche Zustände bei Räumungen von besetzten Häusern durch die Polizei in Berlin. Der 18-jährige Klaus-Jürgen Rattay wird bei der Flucht vor der Polizei von einem Linienbus überfahren.

10. Oktober: Circa 300.000 Menschen versammeln sich in Bonn zu der bisher größten Friedensdemo in der Geschichte der BRD.

Dezember: Netzwerk Selbsthilfe Berlin. Ein autonomer Frauenbeirat sollte in Zukunft ein Drittel des Netzwerk-Etats selbständig an Frauenprojekte vergeben. Diese Forderung von 10 feministischen Projekten und der Frauenzeitschrift "Courage" führt zu hitzigen Debatten und schließlich zu einem vorzeitigen Ende der Veranstaltung. Später wird bei einer Urabstimmung über eine autonomen Frauenbeirat dieser von 1115 Mitgliedern abgelehnt, 635 stimmen mit ja. Daraufhin verlassen zahlreiche Frauen das Netzwerk und seine Gremien, das Frauennetzwerk Goldrausch entsteht.

1982

Als Ort von Weiterbildung und frauenpolitischer Diskussion entsteht die Frankfurter Frauenschule.

Die Organisation Jugendliche Arbeitslose wurde 1982 in Aachen gegründet. Es wurden eine Reihe von Projekten initiiert: Holzwerkstatt, Fahrradwerkstatt, Transportservice, Jugendcafe, Gewerbehof usw.

Bei AEG-Telefunken in Frankfurt gründete sich ein Arbeitskreis "Arbeitsplatzsichernde Zukunftsprodukte". Aufgrund einer Übereinkunft mit der Geschäftsführung entwickeln zwei Belegschaftsmitglieder ein Programm "Schwerbehindertengerechte Produkte", ein solargestützter Rollstuhl sowie Fernbedienungselemente für Behinderte im Haushalt. Der "Club Behinderte und ihre Freunde" in Frankfurt begleitete das Projekte mit Anregungen. Allerdings konnte durch das Projekt kein Arbeitsplatz gesichert werden, eine Serienproduktion kam nicht zustande. Auch in andern Betrieben gab es zahlreiche Versuche "alternative Produkte" zu entwickeln , z.B. bei HDW in Hamburg der Arbeitskreis "Neue Produkte", bei Blohm und Voss ebenfalls Hamburg.

Erfolgloser Versuch der Belegschaft des AEG-Werks Brunnenstraße in Berlin den Betrieb zu übernehmen. Das gleiche gilt für die Belegschaft der Firma Lindner, ebenfalls in Berlin.

Ende 1982 begannen ca. 50 Belegschaftsmitglieder des abgewirtschafteten Voith-Werkes in Bremen damit, einen Teil der Arbeitsplätze dadurch zu retten, daß man versuchte dem Betrieb aus Belegschaftsunternehmen mit unverträglicher Produkten (z.B. Umweltschutzanlagen) weiterzuführen.

8. Februar: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" veröffentlicht als Titel: Gut getarnt im Dickicht der Firmen. Neue Heimat: Die dunklen Geschäfte von Vietor und Genossen. Es wird das Ende des gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzern eingeleitet. Gleichzeitig geriet damit die Gemeinwirtschaft in Deutschland in Verruf und hat sich auch von nie wieder erholt.

April: Tod von Peter Brückner

15. Mai: Das Netzwerk Selbsthilfe Berlin beschließt auf seine Mitgliederversammlung den Gesellschaftervertrag der Netzbau GmbH. Netzwerk übernimmt die Trägerschaft für besetzte Häuser.

7.- 21. August: TAK AÖ - Sommerseminar in Altenmelle.

1. Oktober: Ende der sozialliberalen Ära: Helmut Kohl wird per konstruktiven Mißtrauensvotum Bundeskanzler.

Dezember: Gründung der "Kollektiv - Leasinggesellschaft für selbstverwaltete Betriebe mbH", genannt "Kollektiv GmbH" in Berlin. Sie wurde von Mitarbeitern der Stattwerke zusammen mit Personen von der TAZ, Komet-Werkzeugbau, Oktoberdruck entwickelt. Sie hatte folgende Aufgaben und Struktur: 1.) Die Gesellschafter sind selbstverwaltete Produktionsbetrieb, die Maschinen oder Geräte von der Kollektiv GmbH mieten. 2.) Geldgeber sind und sollen vermehrt Leute werden, die einen Teil ihrer Sparrücklagen nicht mehr den Banken überlassen wollen...

1983

Im Frühjahr wurde in Hamburg-Ottensen der Werkhof zum größtenteils instandgesetzte, nachdem ein Erbpachtvertrag mit dem Vorbesitzer geschlossen werden konnte. Das Kapital der "Ottensener Werkhof Grundstückverwaltungsgese. mbH" gehört dem Verein "Mieterselbstverwaltung Ottenser Werkhof e.V.", in dem jeder Nutzer Mitglieder ist.

Viele selbstverwaltete Betriebe und Projekte schließen sich den Boykott der Volkszählung an. In mehreren Bundesländern und Städten bilden sich Betriebsinitiativen gegen die Volkszählung.

Endgültiges Aus für die Belegschaftsinitiative des Olympia-Werkes in Leer, obwohl es erfolgversprechende Ansätze gab.

Februar: Drei Initiativen führen zur Gründung der Erzeuger Verbraucher Gemeinschaft in Berlin.

Juni: Der Betriebsrat der Firma Arendt Wäschereimaschinenfabrik in Sersheim (Württemberg) versucht über Sanierungsgespräche den Betrieb zur retten. Eine Eigeninitiative der Belegschaft zur Abwendung von Entlassungen kam zustande. Trotz Betriebsbesetzungen, waren alle Versuche zur Verhinderung der Stillegung des Betriebes, durch die Weiterführungsvorschläge der Belegschaft, erfolglos.

3. Dezember: Gründungsversammlung des Verband der selbstverwalteten Betriebe im Raum Rhein - Main - Neckar - Land (überwiegend hessische Projekte) in der Krebsmühle, Oberursel.

1984

Übernahme des Bremer Voith Werkes durch die Belegschaft. Als AN Maschinenbau und Umweltschutzanlagen GmbH ist heute der Betrieb Anbieter für Windenergie-Anlagen.

24. - 27. Januar: Wintertage in Berlin. 250 Teilnehmer diskutieren 3 Tage lang über Branchen-Entwicklungen und Alternativökonomie.

März: Gründung des "Verein Freunde und Förder der Ökobank e.V.", mit Sitz in Frankfurt. Über die Beweggründe für die Gründung der Ökobank gibt der Verein in einer Informationsschrift an: "Als die Friedensbewegung 1983 zum Boykott der Rüstungsfinanzierung durch eine Abhebung der Spargutachten bei den Banken aufrief gab es ein Problem: wohin mit dem Geld? Unter dem Kopfkissen konnte man es schlecht aufbewahren, und so wanderte es zu den Banken zurück. Spätestens da dämmerte vielen die Einsicht: mit unserem Geld finanzieren wir, was wir ablehnen, ja sogar politisch bekämpfen. Wenn wir unser Geld nicht selbst verwalten und es für die Ziele einsetzen, die wir gut finden, ändern wir weniger als, wir könnten.(....)"

14. März: Gründung des "Verein zur Förderung des Genossenschaftsgedankens". Vorausgegangen war die Einrichtung einer "Arbeitsgruppe Genossenschaftswesen / Genossenschaftsrecht" beim SPD - Parteivorstand (Vorsitz: Hans-Ullrich Klose). Zur Erweiterung des Kreises über die SPD-Mitglieder hinaus wurde der Verein gegründet.

28. März: Gründungsversammlung der Firma G.B.I. (Genossenschaft Berliner Ingenieurkollekitve). Aufgabe der Produktivgenossenschaft ist die Produktion und der Vertrieb technisch hochwertiger aber ökologisch sinnvoller Produkte. Diese Gründung ist der erste Versuch aus dem Bereich alternativer Bewegungen, einen selbstverwalteten Betrieb mit industrieller Produktion aufzubauen. Beteiligt waren mehr als 20 Personen, vorwiegend Ingenieure, die seit Jahren an der Forschung und Entwicklung alternativer Technologien arbeiteten. Bereits auf einer Messe alternative Betriebe 1983 auf dem Gelände der ASH in Oberursel wurde die Kooperation zwischen Ingenieurkollektive im Rahmen einer Ausstellung zum Thema "sanfte Energie" diskutiert.

18. Juni: Der Bremer Senat beschließt die Bildung eines revoliverendes Fonds in Höhe von 1,2 Millionen DM zur Förderung örtlicher Beschäftigungsinitiativen aus Mitteln der Wirtschaftsförderung. Seit diesem Zeitpunkt wurden mehr als 100 Anträge gestellt, von denen 52 positiv geschieden wurden. Insgesamt wurde durch diesen Fond 152 Arbeitsplätze entweder geschaffen oder gesichert.

30. Juni: Schließung der Firma Mönnighof-Gottwald in Hattingen. Nach mehrfachem Personalabbau kam es im Mai 1983 zu einem zehntätigen schweren Konflikt zwischen Belegschaft und Geschäftsführung, an dessen Ende die Bereitschaft unter anderem des Landes Nordrhein-Westfalen zur Übernahmen einer hohen Landesbürgschaft stand. Im Winter 1984 kam es zum letzten Rettungsversuch im Form einer Fortführungsgesellschaft "Hattinger Schmiede- und Preßwerke GmbH", indem alle bisher Beteiligten in einem Modell integriert werden sollten. Trotz Engagement der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen scheiterte alle Sanierungsversuche schließlich daran, daß sich u.a. die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) und die Westdeutsche Landesbank zurückzogen. Damit war auch die Idee einer Fortführungsgesellschaft der Mönnighoff-Belegschaft jegliche Grundlage entzogen worden.

30. Juni: Gründungsversammlung der "Bayerischen Dritten Welt Handel eG" in München.

1. Juli: Auflösung der Firma Schwalbach-Lubeca in Velbert. Vorausgegangen war eine Belegschaftinitiative in dem Zweigbetrieb für Kunststoffglas zur Rettung des Betriebes, durch eine Belegschaftsübernahme. Alles lief recht gut, bis sich überraschend die BfG als Hausbank zurückzog und die Nachfolgerin, die Westdeutsche Landesbank, zu dem Prüfungsergebnis kam, das Projekt sei "betriebswirtschaftlich nicht vertretbar".

24. August - 2. September: Projektemesse in Oberursel. Über 200 Projekte und selbstverwaltete Betriebe stellen sich vor. In den vier Diskussionstagen standen die Fragen von Organisierung, Verbandsgründungen auf allen Ebenen in Vordergrund.

Oktober 1984: Die erste Nummer des Wandelsblatt - Zeitung für Selbstverwaltung erscheint (später aufgrund eines Einspruchs des Handelsblatt Umbenennung in "Contraste"). Überregionale, monatlich erscheinende Zeitung.

1985

Einen "Finanzierungskongress" veranstaltet von den Stattwerken in Berlin.

Gründung von Netz e.V. Ausgehend von Nordrhein-Westfalen besteht das Netz aus Einzelmitgliedern, Betrieben und Verbänden. Das Netz sieht seine Aufgabe in der Interessenvertretung für selbstverwaltete Betriebe und der Sammlung und Weitergabe von Informationen. Außerdem ist dem Netz ein Versorgungswerk zur Verbesserung der Alters- und Berufsunfähgikeitsrenten von Beschäftigten in selbstverwalten Betrieben angeschlossen.

Januar: Vierzig Fahrradläden gründen den "Verbund selbstverwalteter Fahrradbetriebe" (VSF). Etliche der Gründungsläden waren aus Verkehrs-AG’s und Bürgerinitiativen hervorgegangen.

13. - 15. Februar: Anhörung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zum Thema "Selbsthilfe und Arbeitsmarkt in Bremen". In Zusammenarbeit u.a. mit dem Netzwerk Selbsthilfe Bremen - Nordniedersachsen wurde auf der Tagung versucht "Berührungsängste" zwischen staatlichen Stellen und Projekten zu überwinden. In mehren Arbeitsgruppen (Soziale Dienste, Ausbildung, Ökologie, selbstverwaltete Betriebe, Kultur und Bildung) versuchten die Vertreter der Projekte ihre Forderungen an Förderungsmaßnahmen zu formulieren.

Mai: Gründung der Genossenschaft "Verbund der Fairsicherungsläden" in Bremen. Hervorgegangen ist die Genossenschaft aus dem Verbund der selbstverwalteten Fairsicherungsläden, der seinem Ursprung im Jahre 1983 hat. Damals versuchte verschiedene Versicherungsmehrfachagenten einen anderen Wege im Umgang mit der Dienstleistung Versicherung zu finden und schlossen sich zu einem lockeren Verbund zusammen. Der Verbund unterstütze Projekte aus dem Selbstverwaltungssektor, ökologisch sinnvolle Umweltprojekte sowie sozial-politische und kulturelle Projekte, ebenso wie den Aufbau eigner, autonomer Versichertengemeinschaften. Aus diesem Grunde wurde der Aufbau eines eigenen Versorgungswerkes durchgeführt.

23. Mai: Auf einer Tagung in Bonn stellten Franz-Josef Bartsch und Peter Grottian, Freie Universität Berlin ihren "Entwurf zu einer gemeinsamen Gesetzesinitiative der Wohlfahrtsverbände, Kirchen, gemeinnützigen Organisationen, Stiftungen, Selbsthilfe-, Frauen- und Alternativprojekte" vor. Ziel der Initiative war innovative Arbeitsplätze im Bereich gemeinnütziger, sozialer und kultureller Dienstleistung durch besonders steuergünstige Spenden zu schaffen.

27. Juli - 10. August: Sommerseminar des TAK AÖ in Altenmelle. U.a. Vorstellung und Diskussion zur "Gruppe 2000"

26. August: Beim Hessischen Minister für Wirtschaft und Technik wurde ein Etat zur Förderung selbstverwalteter Betrieb auf genossenschaftlicher Basis eingesetzt. Über 7 Millionen DM standen hessischen Projekten damit zu Verfügung. Der Etat war einer Vereinbarung der ersten rot-grünen Landesregierung vorausgegangen und ist auf Initiative des Verbandes hessischer selbstverwalteter Betriebe zustande gekommen.

November: Nach langer Vorarbeit wurde durch STATTwerke Berlin die Haftungsassoziation eG (Bürgschaftsbank für selbstverwaltete Betriebe) gegründet. Ausgestattet mit einem Eigenkapital von 1 Millionen DM, das von der ev. Landeskirche Berlin-Brandenburg zu Verfügung gestellt wurde, war die Aufgabenstellung dieser ersten alternativen Bankeinrichtung der BRD, selbstverwaltete Betriebe mit Sicherheiten bei der Kreditaufnahme bei Banken oder Privatpersonen zu versorgen.

1986

Gründung der Genossenschaft Luisenstadt eG in Berlin-Kreuzberg. Ihre Ursprünge liegen in der Berliner Hausbesetzerszene Anfang der achtziger Jahre.

3. - 4. März: Tagung "Beratungskonzepte für Alternativ-Projekte" im Frankfurt. Veranstalter war das Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Ziel der Tagung war den Beratungsbedarf für Alternativprojekte herauszuarbeiten.

Frühjahr: Alternativbetriebe und Projekte aus unterschiedlichen Branchen gründen in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Bremen den "Verbund - Ausbildung in Selbstverwaltung"

Frühjahr: Der Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband gründet die "Paritätische Geldberatung eG" in Wuppertal. Die Paritätische Geldberatungsgenossenschaft soll soziale Organisationen in allen Fragen rund ums Geld beraten. Mit Hilfe von Experten werden neue Finanzierungsmodelle erarbeitet. Zugleich werden Spenden, Bürgschaften und Kredite an die soziale engagierten Gruppen vermittelt.

Mitte des Jahres Gründung der G.I.B. (Gesellschaft zur Information und Beratung örtlicher Beschäftigungsgsinitiativen und Selbsthilfegruppen) in NRW durch die Landesregierung. Die G.I.B. hat u.a. folgende Aufgaben: Beratungsangebote, Informationen über bestehende Fördermöglichkeiten. Stellungnahmen und Gutachten im Zusammenhang mit der Beantragung öffentlicher Fördermittel. Sammlung, Auswertung und Dokumentation von Programmen und Projektinformationen. Entwicklung von Weiterbildungsangeboten für örtliche Beschäftigungsinitiaitven und Selbsthilfegruppen. Beratung der Landesregierung.

5. März: Gründung des Verein "Arbeit und Selbstverwaltung" auf einer Belegschaftsversammlug der Firma Etria in Bexbach/Saarland. Im gleichen Monat war das Unternehmen mit 100 Angestellten und 13 Auszubildenden in Konkurs gegangen. Durch die schleppende Zahlung der Löhne seit Januar 1986 waren Betriebsrat und Gewerkschaft auf den Konkurs vorbereitet. Mit einem Fortführungsmodell sollte soviel Arbeitsplätze wie möglich gerettet werden. Nach 15 Monaten Auseinandersetzung wurden im Juni 1987 von der Belegschaft übernommen und somit erstmals in Saarland ein Betrieb als Belegschaftsunternehmen weitergeführt.

20. Juli - 3. August: Sommerseminar des TAK AÖ im Bessunger Forst. Themen waren u.a. Frauen und Macht; Selbstverwaltung linker Buchhandel; Regionalentwicklung; Alternative Organisationskonzepte,; Selbstverwaltungsunternehmen; Mitarbeiterunternehmen.

18. Oktober: Eröffnung der "Internationalen Bibliothek für Zukunftsfragen" in Salzburg. Treibende Kraft dieses Projektes war Robert Jungk.

24. - 26. Oktober: Das Frauennetzwerk zur Arbeitssituation veranstaltet in Essen einen Kongreß mit dem Thema: Zur autonomen Frauenpolitik, selbstbestimmte Arbeit und Ausweitung von Frauenträumen.

29. Oktober: Forum der SPD "Alte und neue Genossenschaften" in Bonn. Herausgefordert durch die Gründung selbstverwalteter Betriebe und sozialer Selbsthilfeprojekte versuchte die SPD den Genossenschaftsgedankens neu zu beleben. Unter anderen hielt Hans-Jochen Vogel, damaliger stellv. Vorsitzender der SPD, ein Referat zum Thema. TeilnehmerInnen waren u.a. Landesminister, Angehörige von selbstverwalteten Betriebe und Vertretern von traditionellen Genossenschaftsverbänden.

Dezember: In Bonn laden Die Grünen im Bundestagung zur einer Tagung "Umweltfreundliche Produktion - Demokratische Betriebe. Chancen für eine ökologische und demokratische Wirtschaft" ein. Inhaltlich wird über ein "Verknüpfung von umweltfreundlicher Produktion und mehr Autonomie und Partizipation der Betriebe" diskutiert. Teilnehmer sind VertreterInnen von selbstverwalteten Betrieben, WissenschaftlerInnen und ökologisch orientierte Unternehmen.

1987

Januar: Anfang 1987 wurde das Netzwerk "Frauen im örtlichen Beschäftigungsinitiativen" gegründet. Das Netzwerk setzt sich aus unabhängigen Expertinnen aller EG-Länder zusammen Die BRD wurde von Lu Haas von den Frankfurter Frauenbetrieben und von Christa Nesemann vom Berliner Arbeitskreis zur Förderung autonomer Frauen- und Alternativprojekte vertreten. Auf dem erstem Arbeitstreffen im Januar 1987 in Brüssel wurden die Ziele des europäischen Frauen-Netzwerkes und die Aufgaben der Ländervertreterinnen wie folgt festgelegt: Informationen über bestehende Beschäftigungsinitiaitven in den einzelnen Regionen zusammentragen. Probleme, die Frauen bei Gründungen von Betrieben und Projekten haben, ausfindig zu machen, um dadurch Möglichkeiten für Unterstützung, Beratung und Bildung zu entwickeln. Die Initiierung neuer Beschäftigungsinitiativen für Frauen voranzutreiben. Beratung und Anleitung über die Gewährung von Zuschüssen aus dem EG-Programm bereitzustellen.

Anläßlich der "Frühlingstage" erste Diskussionen und Kontakte für die Gründung eines "Vereins Selbstverwalteter Grafischer Betriebe".

Mai: Vierte Gesundheitstag in Kassel mit über 10.000 TeilnehmerInnen.

16. Mai: Eröffnung des Gewerbehof in der Streissstraße in Karlsruhe.

Juni: Während der Weltfrauenkonferenz in Moskau gründete sich nach dem Verlesen der "Fuldaer Erklärung" des Bundeskongresses Entwicklungspolitischer Gruppen (BUKO) vom Mai 1987 ein Internationales Netzwerk: Women an Foreign Debt crises (WFDC). Ziel des Netwerkes sollte es sein, sich gemeinsam gegen die Finanzpolitik von IWF und Weltbank zu wehren. Bei der Gründungsversammlung waren Frauen aus 25 Ländern vertreten.

13. Juni: Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Netzwerke. Die BAG verstand sich als Dachverband der Netzwerk - Selbsthilfe - Vereine in der Bundesrepublik und in Westberlin. Von den damals in etwa 24 Region und Städten arbeitenden Netzwerken haben sich 21 als Mitglieder in der Bundesarbeitsgemeinschaft organisiert, mit ca. 5.000 Mitglieder. Aufgabenstellung der örtlichen und regionalen Netzwerke war und ist, Geld ihrer Mitglieder (Beiträge und Spenden) selbstverwaltete Betriebe und Projekte, politische Initiativen, Frauenprojekte, Bürgerinitiativen, Selbsthilfeprojekte durch Zuschüsse oder zinslose Darlehen zu unterstützen. Zu damaligen Zeitpunkt betrug das jährliche Fördervolumen ca. 1 Millionen DM.

26. Juni: Gründung des Vereins Selbstverwalteter Grafischer Betriebe. Gründungsmitglieder waren: Windhueter Kollektiv Schorndorf, Hinterhof-Druckerei Hamburg, Grafische Werkstatt Kassel, Oktoberdruck Berlin, Druck und Grafik Gießen, Druckerei im Umweltzentrum Bielefeld, Kartenhaus Kollektiv Regensburg, Montania Dortmund.

27. - 28. Oktober: AGP-Kongress in Hamburg "Initiativen gegen Arbeitslosigkeit". Die "Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Partnerschaft in der Wirtschaft" versucht auf diesen Kongress die unterschiedlichsten Initiativen und Projekte vorzustellen. Neben Partnerschaftsbetrieben nehmen auch eine Reihe von selbstverwalteten Betrieben teil.

18. November: Gründungsversammlung der Heinrich-Böll-Stiftung.

1988

Januar: In Köln nimmt die Ehrenfelder Bau- und Produktionsgenossenschaft seine Tätigkeit auf.

15. - 22. Juli: Sommerseminar des TAK AÖ in Arnoldshain zum zehnjährigen Bestehen. Thema: Perspektiven der Alternativen Ökonomie bis zum Ende des Jahrtausends. Großveranstaltung mit über 50 ReferentInnen.

28. - 30. Oktober: Anläßlich ihres zehnjährigen Bestehens veranstaltet das Netzwerk Selbsthilfe Berlin im Mehringhof einen "Geburtstagkongreß" mit den Arbeitsgruppen: Freiraum als Nische / Ghetto? oder raus zur gesellschaftlichen Herausforderung? Thesen. Vereinnahmung /Kommerzialisierung oder: Widerstand gegen Funktionalisierung. Apokalyse / diffuser Anti-Kapitalismus oder: Politischen Utopien / neue Themen. Staatliche Repression oder: Solidarität.

1989

24. - 26. Februar: 1. Feministisches Ökonomieforum in Berlin. Eine Veranstaltung von Goldrausch Frauennetzwerk. Themen der Konferenz waren: Theorie und politische Strategien. Arbeitsmarktentwicklung und Berufssegmentation. Die Wirklichkeit der Frauenprojekte und -betriebe zwischen marktwirtschaftlichem Kalkül und Utopie. Wirtschaftsentwicklung und Frauen weltweit.

28. Juli - 6. August: TAK AÖ-Sommerseminar in Drochtersen-Hüll. AG gab es zu folgenden Themen: Theorie der Selbstverwaltung; Genossenschaften und Selbstverwaltung in Europa; Organisationsstrukturen sozialer Selbstverwaltungsprojekte; ABM...

15. - 17. September: Europäisches Festival "Europa gegen den Strom" in Amsterdam mit dem Schwerpunkt Medien.

9. November: Maueröffnung

1990

Frühjahr: Erstes bundesweites Tischlerinnentreffen in Niederkaufungen bei Kassel.

21. Mai: Im Bundestag legen die Grünen (Stratmann-Mertens, Vennegerts) einen "Entwurf eines Gesetzes betreffend demokratische Betriebskooperativen" vor. Ziel des Gesetzentwurfes ist eine eigene Rechtsform für demokratische Betriebskooperatien, die im Innenverhältnis dem Prinzip der unmittelbaren demokratischen Selbstverwaltung verpflichtet ist, demokratische Betriebskooperativen als solche in einer eigenen Rechtsform im Außenverhältnis unverkennbar dokumentiert, die Möglichkeit einer Kapitalneutralisierung eröffnet, die eine Individualisierung und Reprivatisierung des Betriebsvermögens ausschließt und kapitalneutralisierte Betriebe als staatlich förderungswürdig anerkennt.

27. Juli - 5. August: Sommerseminar des TAK AÖ in Bahnhof Göhrde. U.a. eine AG zum beliebten Thema "Zukunft der Selbstverwaltung". Von Rolf Schwendter wurde ein "Entwurf für eine Alternativen-Versammlung" vorgelegt.

3. August: Auflösung der am 3. 8.1990 gegründeten Selbsthilfe - Handelsgenossenschaft, Ostberlin. Aufgabe war der Vertrieb von landwirtschaftlichen Produkte in Berlin. Damit sollte die Vermarktung für die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft der ehemaligen DDR unterstützt werden.

6. September: In Düsseldorf veranstaltet das NRW-Arbeitsministerium eine Tagung zu Thema "Neue Wege der Arbeitsmarktpolitik". Dabei werden NRW-Projekte vorgestellt, die im Rahmen des Landesprogramm "Erprobung neuer Wege in der Arbeitsmarktpolitik" gefördert wurde.

6. Oktober: Gründungstag der Bremer Assistenzgenossenschaft. Sie entwickelte sich zum zweitgrößten Anbieter ambulanter Hilfe für behinderte Menschen in Bremen.

1991

Der "Verein der Freunde der alternativen Tageszeitung e. V." ist tot, die Genossenschaft lebt. Die taz reagiert damit auf den Wegfall der millionenschweren Berlinförderung. 2000 LeserInnen zeichnen für drei Millionen Mark Genossenschaftsanteile und retten die taz aus der aktuellen Finanzkrise.

Im Sommer dieses Jahres wurde die Regionale Entwicklungsagentur für Frauenbetriebe und -projekte (REA) in Berlin als eingetragener Verein weitergeführt. Aufgabe des Projekte war durch Beratungsangebote Arbeitsplätze für Frauen zu schaffen bzw. zu erhalten.

26. Juli - 4. August: TAK AÖ - Sommerseminar im Tagungshaus Läufertsmühle. Thematischer Schwerpunkt: Utopien.

28. August: Tod von Klaus Novy. Mitbegünder des Wohnbundes und zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungen zur Genossenschaftsgeschichte. Er war prägend bei der Diskussion um Neue Genossenschaften und Wohnbaugenossenschaften.

November: Eintragung der Genossenschaft Begleitung ins Kölner Genossenschaftsregister. Zweck der Genossenschaft ist die Hausbetreuung, Bestattung und Trauerkultur.

1992

Mai: Gründung der ersten Frauen-Energie-Genossinnenschaft in Hamburg. Windfang eG hat sich zum Ziel gesetzt, dem Bereich Energie vermehrt mit Frauen zu besetzten und andererseits Frauen eine ökologische Geldanlage zu bieten.

November: Erste Infobörse von cash coop im Frankfurter Theaterhaus. Präsentation von Zielen und Arbeitsschwerpunkten von cash coop sowie workshops mit Finanzierungs-ExpertInnen.

1993

März: Am 19 März feierte das "Frauen-Bau-Projekt" die Fertigstellung des Frauenstadthauses Bremen. In sechseinhalb Jahren haben Frauen im Stadtteil Peterswerden ein Vorhaben realisiert mit der Zielsetzung, gemeinsame Arbeitszusammenhänge zu entwickeln und Freiräume für Frauenbetriebe zu schaffen.

April: Die ehemaligen BesetzerInnen eines Gebäudekomplexes in der Hamburger Hafenstrasse gründen einen Genossenschaft. Ihr Ziel: "Die Verwirklichung einer kommunalen Selbstbestimmung im Stadtteil St. Paul".

28. Juli - 1. August: AUFTAKT, Umweltfestival in Magdeburg. Über 10.000 TeilnehmerInnen. Die Veranstalter kamen aus der Jugendumweltbewegung.

August: Stadthaus-Hotel im Hamburg. Eine Gruppe von geistig behinderte und nicht behinderter MitarbeiterInnen eröffnen ein rollstuhlgerechtes Hotel.

13. - 22. August: 15 Jahre TAK AÖ. Sommerseminar in Bad Segeberg. "Großveranstaltung" mit zahlreichen AG’s. Inhaltlicher Schwerpunkt war das Thema "Vernetzung". Dieter Reincke stellt die Idee einer "Green-Card" vor.

November: Am 10. November startete einer Künstlergruppe in Prenzlauer Berg (Ost-Berlin) um Bert Papenfuß eine Aktion unter dem Motto: "Kohle ist knapp, Geld im flutsch futsch! Kampf dem Zins! Es lebe das Kunstgeld". Dieses Schwundgeld wurde von KünstlerInnen gestaltet und als Zahlungsmittel einige Wochen in Prenzlauer Berg verwendet.

1994

Mai: Die 1981 gegründete Blätterwald-Genossenschaft meldet Konkurs an. Damit verschwindet ein für die Selbstverwaltung sehr wichtiges politisches Modellprojekt sang und klanglos vom Markt. Blätterwald war als innovatives Modell für Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften gegründet worden und hat die Diskussion über die neue Genossenschaftsbewegung zu Beginn der achtziger Jahre wesentlich belebt. Die Genossenschaft stellt Umweltschutzpapier und Schreibwaren her und vertrieb die Produkte.

TAK AÖ-Sommerseminar im Groß-Munzel. "Ist Selbstverwaltung erlernbar?"

30. August - 4. September: Kongress im Bauhaus Dessau: "Wirtschaft von unten - People’s Economy" mit 600 TeilnehmerInnen aus fast allen europäischen Ländern. Zwei Jahre zuvor, im November 1992, hatten sich zum ersten Mal mehrere hundert lokale Akteure aus ganz Europa zu einem Erfahrungsaustausch über Strategien gegen Arbeitslosigkeit, Armut und Zerstörung der Lebensumwelt in Berlin versammelt und das Europäische Netzwerk für ökonomische Selbsthilfe und lokale Entwicklung begründet.

1995

24. Juli - 2. August: Sommerseminar des TAK AÖ im Bildungszentrum Wilde Rose in Altenmelle. U.a. Diskussion und Vorstellung einer "Akademie für kollektives Management"

Juli: Sommerseminar des TAK AÖ in der Kratzbürste in Münstertal. U.a. AG "Alternative Gastronomie" mit folgenden Projekten: Croconil, Freiburg; Eulenspiegel, Wasserburg; Ruffini, München; Schanzenstern, Hamburg.

27. - 29. Oktober: In Berlin findet der erste Kongreß von Tauschringen statt.

1996

19. - 28. Juli: TAK AÖ Sommerseminar in Blankenheim-Ahrdorf. Themen u.a.: Bausteine kollektiven Managements. Kollektivgründung ist out - oder? Abschied von der Erwerbsarbeit

1997

Vom 21. bis 23. Februar veranstalteten das "Europäische Bürgerforum" im Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Potsdam einen Ratschlag zum Thema "Wirtschaft von unten". Etwa dreihundert TeilnehmerInnen diskutierten über praktische Erfahrungen und theoretische Auswege aus Erwerbslosigkeit und Armut.

1998

März: Unter dem Thema "Eignung, Funktion und Wirkungsgrenze von Genossenschaften bei der Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern und in Europa" veranstaltete das Finkhof Bildungswerk vom 6. bis 20. März 1998 die dritte internationale Agrarfachtagung in Arnach/Bad Wurzach. Über 60 TeilnehmerInnen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa stellte landwirtschaftliche Produktivgenossenschaften vor und diskutierten über Strategien und Möglichkeiten gegen das Fehlen von Eigenkapital und Krediten, über mangelnde Absatzmärkte für landwirtschaftliche Produkte aus der Dritten Welt in Europa.

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