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Der TAK AÖ gastiert vom 31. Mai bis 4. Juni in Berlin im Projekt: HAUS AM WANNSEE, selbstverwaltetes Kinder-, Jugendferien- und Tagungshaus

Wo der Sozialstaat Platz macht...

Eigentlich spielten früher die meisten Ferienträume Berliner Jören immer im und am Großen Wannsee mit dem Strandbad, mit Dampferfahrten, Picknick und Sandburgen, kurz und treffend: "Pack’ die Badehose ein... und dann nüscht wie ‘raus ann’ Wannsee" ( Refrain einer Berliner Kinderhymne der 50iger und 60iger). Inmitten einer Perlenkette von Yachtclubs, Ausflugrestaurants, Villen mit Wassergrundstücken und dem alten Westberliner Segeladel befindet sich auch ein unscheinbares langgestrecktes Gebäude, das seit den frühen 50igern dazu diente Berliner Großstadtkindern wenigstens gelegentlich eine Portion Natur zu verabreichen: ‘Kinder an Luft und Sonne’, so heißt bis heute ein offizielles Motto. An dieser Idylle konnten sich knapp ein halbes Jahrhundert ganze Kindergenerationen laben, bis 1996 die politischen Vertretung des zuständigen Bezirks Berlin - Kreuzberg in großer Weisheit befand, dass auch dieses sozialstaatliche (Erholungs-) Angebot einfach zu teuer ist. Die Jugendförderung hatte nämlich inzwischen die Lehren der Betriebswirtschaft neu für sich entdeckt und in einer ganz ‘professionellen’ Kosten-Nutzen-Rechnung eine Öffentliche Bezuschussung von knapp DM 33,83 allein für jede Personenübernachtung ermittelt. Im Zuge der notorischen Haushaltskürzungen rückten so besonders die Personalkosten in den insgesamt fünf Erholungsstätten des Bezirkes ins Zielkreuz der Spargier. Also übertragen, privatisieren oder einfach weg damit, denn schließlich schreibt das Kinder- und Jugendhilfegesetz nicht explizit vor, auf welche Art und Umfang der gesetzliche Anspruch auf Erholung und Bildung verwirklicht werden muß.

Die Umfeld-Story...

Es folgte eine bezirkweite Ausschreibung der Einrichtungen im Herbst 1996, ein mehrmonatiges Bewerbungsverfahren und im Herbst 1997 die Entscheidung über die Vergabe dreier Objekte an verschiedene Freie Träger: ...and the winner is.... seit Februar 1998 der gem. Verein Praktische Pädagogik. Hinter diesem Titel verbirgt sich der ‘legale Flügel’ eines informellen Zusammenhanges von Menschen (überwiegend aus Berlin), die sich aktuell oder zeitweise in selbstorganisierten Betrieben, Projekten und ähnlichen Experimenten bewegen oder bewegt haben. RGW Berlin nannte sich der jahrelange Versuch diese regionale Zusammenrottung in eine formale kooperative Struktur zu gießen, vergeblich. Geblieben ist ein ständig weiter wachsendes ‘Bewegungsmilieu’, eine Ansammlung sehr unterschiedlicher Menschen, die eher sozial und politisch motiviert Nähe suchen und nicht über ihre Identität als aktives/ehemaliges Projektmitglied. Die ‘Bewegungen’ und Aktivitäten sind entsprechend häufig diskontinuierlich, zielvariabel und unsortiert, aber als Gesamtkunstwerk doch irgendwie ein erkennbares ‘Gebilde’. Geblieben ist teilweise auch das Koordinationsbüro, was inzwischen als RGW-Beratungsbüro nach wie vor von ca. 15 Projekten mitfinanziert wird und als Anlauf- und Beratungsstelle jährlich von über 40 weiteren selbstverwalteten, gleichberechtigten und gelegentlich ziemlich abenteuerlichen Vorhaben frequentiert wird. Geblieben ist letztlich auch die Leidenschaft für den Aufbau immer neuer kooperativer Experimente: z.B. einen Rentenfonds ‘Wir können auch anders!" mit ca. 35 Mitgliedern, die einen Großteil ihres Lebens mit Projektarbeit verbracht haben und bei ihrer dadurch sträflich vernachlässigte materielle Altersabsicherung dem Staat immer noch nicht so richtig über den Weg trauen. Z.B. die legendäre Berliner Politkneipe ‘EX’, als ‘halbökonomischer’ Versuch öffentlichen Raum marktwirtschaftlicher Zwangslogik zu entlocken, Mitwirkende: 22 Gruppen mit ca. 100 Menschen. Z.B. auch der D.S.-Immofonds, ein im 2. Anlauf befindliches solidarisches und eigentumneutrales Finanzierungsinstrument für solidarische und gleichberechtigte Projektversuche. Und dazu gehört auch die letzte ‘Neuerwerbung’: das Haus am Wannsee.

Das dicke Ende...

Mit einer jämmerlichen Auslastung von unter 20% übernommen, versuchen wir dem Haus neues Leben einzuhauchen. Damit befinden wir uns auf ziemlich dünnem Eis: der Bezirk erhofft sich durch uns ihren gesetzlichen Freizeit- und Bildungsauftrag qualitativ besser und dazu noch preiswerter erfüllen zu können, die Kinder, Jugendlichen (bzw. ihre Eltern, Lehrer, Erzieher,...) und Erwachsenen - besonders aus Kreuzberg, der Bezirk mit den katastrophalsten ‘Sozialdaten’ - einen billigen Aufenthalt und wir von uns ein anspruchsvolles und ideenreiches Erholungs- und zunehmend auch Bildungsangebot, wobei der Lebensunterhalt auch gerne dabei abfallen dürfte. Die beiden zurückliegenden Saison haben wir vor allem dem Um- und Ausbau des Hauses, dem Aufbau einer zweckmäßigen Haus-, Arbeits- und Verwaltungsorganisation, sowie einer ersten Steigerung unserer Auslastung gewidmet. Dieses Jahr steht die inhaltliche und konzeptionelle Gestaltung der Arbeit mehr im Mittelpunkt und die Frage, wie wir dem o.g. Erwartungs-Bermuda-Dreieck intelligente Lösungen entgegensetzen können. Ergänzend wollen wir die Kapazitäten des Außengeländes durch bauliche Erweiterung der Außenanlagen in diesem Jahr voranbringen.

So, wenn ihr jetzt meint, das kann alles zusammen nicht funktionieren, dann seit ihr gerne unsere Gäste, denn wir glauben auch nur mit vielen Widersprüchlichkeiten daran und manchmal erscheinen uns die Mühen dabei übermächtig. Aber auf dem Weg haben wir schon viele wertvolle, traurige wie erfolgreiche, Erfahrungen gemacht. Wir laden Euch ein an diesem Faden mitzuspinnen und euch ‘det Janze’ aus der Nähe zu betrachten!

Bärlin-Kreuzberg/Wannsee, April 2000

 

Eigene Angebote: Wir beraten alle Kinder- , Jugend- und Erwachsenengruppen bei der Planung ihres Aufenthaltes. Unsere ersten zusätzlichen inhaltlichen Schritte für Kinder und Jugendliche sind qualitative Freizeitangebote wie Entwicklungspolitische Planspiele, politische Themenblöcke (z.B. Welthandel, Gerechtigkeit), Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Mädchen und Frauen, aber auch Tanz, Körperübungen, Brot- und Pizzabacken, Nachtwanderung, Grillen und Disco. Bei Erwachsenen stellen wir unser Haus gerne Projektgruppen als Tagungsort zur Verfügung, mit der Absicht mittelfristig zusätzlich selber Diskurse im weiten Feld unabhängiger Selbstorganisation anzuregen, besonders geeignet für kritische und unruhige ‘Geister’, die mit dem Kapitalismus noch nicht ihren Frieden geschlossen haben. Dabei soll unser eigenes Umfeld das Haus einerseits zunehmend selber als Treffpunkt nutzen, wie es auch andererseits wachsend an der praktischen Arbeits- und Angebotsstruktur beteiligt werden. Die Entwicklung breit gefächerter Bildungsangebote (Seminare, etc.) in eigener Regie oder mit Kooperationspartnern ist in Arbeit, die ersten Ergebnisse vielleicht schon im Winter zu besichtigen.

 

Das Haus bietet: 42 Betten ( in 2-, 6- und 8-Bettzimmer), 1 gr. Aufenthalts- und Essraum, 1 Tagungsraum, 1 SelbstversorgerInnen-Küche, ausreichend Duschen und WC, für jedefrau und jedermann frei anmietbar. Einrichtung im einfachen und zweckmäßigen Standard, deshalb vielseitig benutzbar, aber keine spez. Tagungstechnik o.ä. verfügbar. Alleinnutzung des Hauses jederzeit auf Wunsch oder regelmäßig für Gruppen ab ca. 30 Pers. Für kleinere Besuchergruppen empfiehlt sich auch aus Kostengründen eine Parallelbelegung mit einer zweiten einzuplanen. Vermittlung von preiswertem Bustransfer. Voll-, Teil- und Selbstverpflegung sind möglich, Getränkeverkauf und Abgabe süßer/salziger ‘Nervennahrung’ im Angebot. Die flexible Hausorganisation richtet sich weitgehend nach den alters- und zweckbedingten sehr unterschiedlichen Gästewünschen. Das Gelände besteht aus ca. einem ha Waldgrundstück mit Wiesen, eigenem Badestrand, Beachvolleyballfeld, Basketballplatz, Tischtennisplatte und großzügigem Platz für alles andere. Zeltmöglichkeiten, vorauss. ab Juni 2000 sind die Außenanlagen ausreichend auch für größere Gruppen. Verkehrsanbindung: DB-Bahnhöfe Wannsee oder Zoolog. Garten, direkter Autobahnanschluß (A 115); innerstädtisch: 10 Min. Fußweg zu Bus-, S-Bahn- und Ausflugsdampferverbindungen: Fahrzeiten nach Potsdam 15 Min., zum Bhf. Zoo 18 Min., nach Kreuzberg 25 Min. und zum Alex 30 Min. In direkter Nachbarschaft ein Bootsverleih und das Strandbad Wannsee und ohnehin mittenmang’ im Grunewald...

Haus am Wannsee, Badeweg 7, 14129 Berlin-Wannsee

Information und Booking:  Tel: 030 / 803 55 03 Kristina Bayer

Fax: 030 / 804 90 583

Hausanschluß f. Gäste:  030 / 804 90 579

Geschäftsstelle: Fax/Tel: 030 / 611 57 53

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